Reaktionen auf den Besuch von Greta Thunberg im Hambacher Forst

Klimaschutz-Aktivistin im Hambacher Forst : Blumen und Hasskommentare für Greta Thunberg

Für Umweltaktivisten und Klimaschützer wird der Besuch der prominenten 16-Jährigen zum bedeutenden Zeichen. Die Junge Union im Rhein-Erft-Kreis hingegen ist „fassungslos“. Reaktionen auf eine ungewöhnliche Veranstaltung.

Als Greta Thunberg den Hambacher Forst am Samstag wieder verlassen hatte, veröffentlichte das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ eine Pressemitteilung im Internet, und unter dem Eindruck des prominenten Besuchs wurde darin das Rheinische Revier erstmals als „Tatort“ bezeichnet, als „Tatort der Klimakrise“.

Ansonsten fiel auf, dass der Besuch angesichts der Prominenz der inzwischen ja als Friedennobelpreis-Kandidatin gehandelten Thunberg in allerengstem Kreis stattgefunden hatte. Die Gesichter der regionalen Klimabewegung, etwa die Kerpener Umweltaktivistin Antje Grothus oder der Aachener Waldführer Michael Zobel, waren ebensowenig vor Ort wie die meisten der 50 bis 100 Waldbesetzer, die sich nach Angaben der Polizei im Moment im und um den Hambacher Forst herum aufhalten.

Andreas Büttgen, Sprecher der seit Jahren gegen RWE kämpfenden Intiative „Buirer für Buir“, erklärte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung, dass im Vorfeld beschlossen worden war, „die Veranstaltung bewusst klein zu halten“. Es seien etwa 25 Menschen mit Thunberg unterwegs gewesen, von denen allein etwa zehn Menschen zu ihrem Tross gehörten. Anderenfalls wäre „die Sicherheit von Greta Thunberg“ nur mit erheblichem Aufwand zu gewährleisten gewesen.

Angesichts des erschreckenden Ausmaßes an Hass, der sich im Internet, unter anderem auf den Facebook-Auftritten unserer Zeitungen, über die 16 Jahre alte Autistin im Anschluss an den Besuch ergoss, ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Die für alle Einsätze am Hambacher Forst zuständige Aachener Polizei erklärte, ebenfalls nicht über den Besuch informiert gewesen zu sein. Nur wenige ausgesuchte Journalisten waren vor Ort.

Insbesondere für die Waldbesetzer habe Thunbergs Besuch enorme Bedeutung gehabt, sagte Büttgen weiter. Sie habe bestätigt, dass „im Zweifel auch mal ziviler Ungehorsam erforderlich“ sei. Auch deswegen sei Thunbergs Besuch als Zeichen zu werten, dass „die Klimabewegung sich nicht spalten lässt“, sagte Büttgen. Insbesondere den linksextremen Waldbesetzern und dem linksextremistisch beeinflussten Aktionsbündnis „Ende Gelände“ wird immer wieder vorgeworfen, durch das massenhafte Begehen von Straftaten gezielt den Rechtsstaat zu unterlaufen, wenn nicht gar zu bekämpfen.

Die Junge Union Rhein-Erft hat am Montag enttäuscht auf den Überraschungsbesuch von Greta Thunberg im Hambacher Forst reagiert. Sie hätten die Gründerin der „Fridays for Future“-Bewegung bereits im April eingeladen, mit ihnen – zu einem von Thunberg frei wählbaren Termin – im Rheinischen Revier über die Klimaproblematik zu diskutieren. Ihr Management habe damals aus Termingründen abgesagt. Eine Anfrage an Luisa Neubauer („Fridays for Future“ Deutschland), die am Samstag ebenfalls im Hambacher Forst dabei war, sei gänzlich ohne Antwort geblieben.

Dass nunmehr Thunberg und Neubauer sich Seite an Seite von mindestens einer vermummten Person durch den besetzten Forst führen ließen, macht die Junge Union „fassungslos“. Sie machen den beiden den Vorwurf, sich nur mit Menschen „in der von ihnen verbreiteten – vermeintlich einzig gültigen – ideologischen Filterblase und Wahrheit“ zu umgeben und keinen klaren Trennstrich zu gewaltbereiten Gruppierungen zu ziehen.

Willkommen in Köln: „Ende Gelände“-Aktivistin Kathrin Henneberger (l.) empfängt Greta Thunberg am Samstag am Kölner Hauptbahnhof mit Blumen. Foto: ZVA/Ruben Neugebauer

Auch einzelne Journalisten, die an der gerade zu Ende gegangenen „Fridays for Future“-Konferenz in der Schweiz teilgenommen hatten, berichteten von demokratiefeindlichen Tendenzen der noch jungen Bewegung.

Der Energiekonzern RWE wies am Montag nochmals darauf hin, dass der Hambacher Forst für jeden zugänglich sei, eine Anmeldung von Thunbergs Besuch sei daher nicht nötig gewesen. Man habe diesen Besuch zur Kenntnis genommen, im Übrigen ändere er nichts an der Sachlage und den laufenden Verhandlungen über den Ausstieg aus der Braunkohle, wie ein RWE-Sprecher erklärte.

Thunberg war am Kölner Hauptbahnhof am Samstag von „Ende Gelände“-Aktivistin Kathrin Henneberger empfangen worden. Auf den Fotos, die „Ende Gelände“ zur Verfügung stellte, war von Thunbergs Begleittross niemand zu sehen gewesen, nur die Jugendliche, die allein aus dem ICE stieg. Die Fotos zeigten, dass Henneberger (32) Greta Thunberg (16) zur Begrüßung einen Blumenstrauß überreichte, ganz konventionell, ja fast ein bisschen konservativ.