Razzia wegen Drogenhandels in Tipico-Wettbüro in Aachen

Aachen : Drogenrazzia im Wettbüro: Sieben Männer in Aachen festgenommen

Bei einer größeren Drogenrazzia gegen Betreiber eines Wettbüros am Aachener Bushof sind am Donnerstag sieben Personen im Alter zwischen 19 und 27 Jahren festgenommen worden. Die Ermittler durchsuchten insgesamt zehn Gebäude, darunter mehrere als Drogenlager genutzte Wohnungen in der Städteregion sowie das Wettbüro selbst. Den Festgenommenen drohen langjährige Haftstrafen.

Der Bushof zählt seit Jahren zu den unwirtlicheren Orten in Aachen, die Kleinkriminalität nahm in den vergangenen Jahren immer weiter zu. Erst als die Polizei mit Hilfe von Überwachungskameras 2017 den von manchen als Angstort bezeichneten Bushof intensiver zu kontrollieren begann, besserte sich die Situation, zumindest etwas. Doch Anwohner, Geschäftsleute, Touristen, auch Busfahrer beschwerten sich weiterhin über die unangenehme Atmosphäre.

Im vergangenen Herbst dann erhielt die Aachener Polizei den Hinweis, dass besonders ein Wettbüro in unmittelbarer Nähe des Bushofs in vielerlei Hinsicht problematisch sei. Es folgten acht Monate intensiver Ermittlungen. Dabei konnten nach Angaben der Sprecherin der Aachener Staatsanwaltschaft Katja Schlenkermann-Pitts „acht Personen identifiziert werden, die gemeinschaftlich an der Beschaffung, Lieferung, und Verteilung von Betäubungsmitteln im Bereich des Wettbüros“ beteiligt waren.

Bei Drogenübergabe zugeschlagen

Am Donnerstagabend nun haben Polizei und Staatsanwaltschaft neun Wohnungen in Aachen durchsucht, darunter auch das Wettbüro. Sieben Personen wurden festgenommen. Sechs der Männer sollten noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden, einer wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Und nach einem weiteren mutmaßlichen Bandenmitglied wird noch gefahndet.

Wie Katja Schlenkermann-Pitts am Freitag mitteilte, schlugen die Fahnder gegen 17.50 Uhr bei einer Drogenübergabe in einem Gebäude in der Aachener Innenstadt zu. Ein 27-jähriger Mann hatte offenbar gerade dem 19-jährigen mutmaßlichen Kopf der Bande Drogen ausgehändigt.

Während der mutmaßliche Lieferant und sein 22-jähriger Begleiter festgenommen worden, konnte der 19-Jährige zunächst fliehen. Er wurde aber später zusammen mit einem Begleiter von Polizeibeamten am Alexianergraben aufgespürt. Auch dabei versuchte er zu entkommen, wurde aber nach kurzer Verfolgung gestellt und ließ sich ohne Widerstand festnehmen.

Bei dem 27-Jährigen und seinem Begleiter wurde eine größere Summe Bargeld - die Staatsanwältin spricht von einer höheren vierstelligen Betrag - gefunden. In dem Gebäude, in dem es nach ihren Worten „regelmäßig zur Übergabe von Betäubungsmitteln und Geld kam“, wurden ein halbes Kilogramm Marihuana und Verpackungsmaterial sichergestellt.

Anstieg an Kleinkriminalität

Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte 2017 auf einen deutlichen Anstieg der Kleinkriminalität in Aachen aufmerksam gemacht, der, wie Behördenleiter Helmut Hammerschlag damals formulierte, sehr wahrscheinlich auch im Zusammenhang mit der gewaltigen Zuwanderung besonders im Herbst 2015 zu sehen sei.

Bei der mutmaßlichen Drogenbande handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um sechs junge Männer aus Afghanistan und zwei aus der Türkei im Alter zwischen 19 und 27 Jahren, von denen einer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu am Freitag nicht äußern, auch nicht dazu, ob Asylbewerber unter den Verdächtigen sind.

Als Kopf der Bande haben die Ermittler den 19-Jährigen ausgemacht. Obwohl keine Statistiken darüber geführt werden, teilte auch Oberstaatsanwältin Schlenkermann-Pitts den Eindruck, dass der Mann ungewöhnlich jung für den Chef einer Drogenhändlerbande. In einem anderen Verfahren ist der polizeibekannte Mann wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Die Vorwürfe der Aachener Staatsanwaltschaft sind erheblich. Sie lauten auf bandenmäßigenHandel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das Betäubungsmittelgesetz sieht dafür eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft vor.

(gego/heck)
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