Qualitätsbericht des NVR für 2018: Schienen-Nahverkehr verschlechtert

Qualitätsbericht des NVR für 2018 : Angebot im Schienen-Nahverkehr spürbar schlechter

Der Nahverkehr Rheinland legt den Qualitätsbericht 2018 vor. Das Fazit wird die Pendler kaum wundern: Es gebe zunehmend Probleme, den Bahnbetrieb stabil zu halten. Und das wird sich auf vielen Linien so schnell nicht ändern. Nur die Nutzer des RE1 und RE4 können auf 2020 hoffen.

Der Nahverkehr auf der Schiene im Rheinland ist qualitativ spürbar schlechter geworden. Das ist das Fazit des Qualitätsberichts vom Nahverkehr Rheinland (NVR) für 2018. Fortschritte habe es zwar beim Fahrzeugzustand und dem Sicherheitsgefühl gegeben. Das gelte aber nicht für die zentralen Kriterien der Angebotsqualität – Zugausfälle, -kapazität und Pünktlichkeit. „Zunehmend gibt es Probleme, den Bahnbetrieb stabil zu halten“, heißt  es in einer Mitteilung des NVR.

Gründe hierfür sind laut NVR vor allem eine nicht mehr ausreichende Bahninfrastruktur und die weiter steigende Zahl von Baustellen. Immer häufiger komme es zu überfüllten und verspäteten Zügen. Dies liege auch daran, dass es die Eisenbahnverkehrsunternehmen zusehends nicht mehr schaffen, die vertraglich vereinbarten Mindest-Zugkapazitäten auf die Gleise zu bringen. Ihnen fehlen schlicht die Fahrzeuge. Auf den RE-Linien fielen 2,7 Prozent der Sitzplatzkapazitäten aus (2017: 2 Prozent), auf den RB-Linien 2,4 Prozent (2017: 1,5 Prozent) und bei den S-Bahnen 2,3 Prozent (2017: 1,1 Prozent). „Der Ausfall der Sitzplatzkapazitäten ist bereits im dritten Jahr hintereinander angestiegen“, heißt es.

Zahl der Beschwerden verdoppelt

NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek will dieses Problem bei künftigen Ausschreibungen durch deutlich höhere Vorgaben für die Menge an Reservefahrzeugen lösen. Kurzfristig ändert sich damit für viele Fahrgäste aber nichts: Der RE9, der zwischen Aachen und Köln verkehrt, wird erst in etwa fünf Jahren neu ausgeschrieben. Beim RE1 und RE4 erhofft sich der NVR ab 2020 Verbesserungen: Dann übernehmen private Betreiber die Linien und setzen den modernen RRX ein. Beim RE1 von Aachen nach Hamm wird das ab Juni 2020 der Fall sein (Abellio), der RE4 von Dortmund nach Aachen folgt im Dezember 2020 (National Express).

2018 ist die Zahl der Beschwerden laut NVR um mehr als das doppelte auf 2504 (2017: 1116 gestiegen). Formuliert wurden die Beschwerden demanch vor allem über das Feedback-Formular in der VRS-App. Über diese App können von unterwegs Anregungen und Kritik geäußert werden.

Subjektive Sicherheit verbessert

Die gute Nachricht ist, dass sich die subjektive Sicherheit in den Nahverkehrszügen verbessert hat. Das geht aus dem alle zwei Jahre erscheinenden Kundenbarometer des Nahverkehr Rheinland (NVR) hervor. Als Grund dafür werden unter anderem die mittlerweile in vielen Zügen angebrachten Videoanlagen und die Bodycams beim Sicherheitspersonal genannt. Zudem würden verstärkt Vertragsstrafen verhängt, wenn die vereinbarte Zahl an Zugbegleitern oder Sicherheitspersonal von den Betreibern der Linien nicht erfüllt würden.

„Die Aktivitäten des NVR in diesem Bereich machen sich mittlerweile messbar bezahlt“, heißt es im NVR-Bericht: In allen Nahverkehrs-Bahnlinien, die in unserer Region fahren, fühlen sich demnach Mehr als 90 Prozent der Bahnkunden sicher.

Die positive Wirkung des konsequenten Qualitätscontrollings des NVR mache sich auch beim Zustand der Fahrzeuge bemerkbar. Die Zahl der Fahrten mit defekter Toilette sei insgesamt weiter gefallen. Allerdings bleibe die Problematik beim RE9 von Aachen nach Siegen mit 2,9 Prozent ausgeprägt. Bei dieser Linie habe sich die Zahl aller Störungen zwar weiter verringert, sie liege aber immer noch bei 4,8 Prozent.

Qualitätsbericht im Internet ">

(cs)
Mehr von Aachener Nachrichten