Prozessbeginn: Tödliche Messerattacke auf Mädchen in Viersen

Sie sollte nur ihm gehören : 17-Jähriger wegen Mordes vor Gericht

Sie sollte nur ihm gehören. In Mönchengladbach steht seit Montag ein 17-Jähriger vor Gericht, der seine 15 Jahre alte Ex-Freundin ermordet haben soll. Als er hörte, dass sie einen neuen Freund habe, sei das ihr Todesurteil gewesen.

So schilderte es der zuständige Staatsanwalt Stefan Lingens zum Prozessauftakt. In einem Park in Viersen soll er die 15-jährige Iuliana R. erstochen haben - mitten am Tag, heimtückisch und aus niederen Beweggründen. Sechs Monate nach dem Aufsehen erregenden Verbrechen hat das Verfahren vor dem Landgericht Mönchengladbach begonnen - wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Eltern des Mädchens sind Nebenkläger.

Er habe das Mädchen nicht töten, sondern ihm einen Denkzettel verpassen wollen, stellte der Jugendliche in einer vor Gericht verlesenen Erklärung fest, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Der hat dieses Mädchen fürchterlich geliebt“, sagte der Verteidiger des Angeklagten, Helmuth Jennrich, vor dem Prozess.

Die Eltern von Iuliana, die alle in Viersen Iulia nannten, waren nach Angaben ihres Anwalts vor vier Jahren nach Viersen gezogen. „Sie wollten, dass es den Kindern mal besser geht“, sagte Rechtsanwalt Stefan Hahn.

Iuliana konnte es nicht mehr ertragen, dass ihr Freund sie nur noch für sich haben wollte - kein Kontakt zu Freunden, „immer nur er“, hatte die Polizei nach der Festnahme des Jugendlichen gesagt. Sie trennte sich von ihm, aber der 17-Jährige wollte es nicht wahrhaben. „Er hat sie, man kann sagen: als seinen Besitz betrachtet und ihr gesagt, entweder du bist mir zusammen oder mit keinem. Das war letztlich die Motivation für die Ermordung“, sagte Staatsanwalt Lingens unmittelbar vor dem Prozess.

Noch am Morgen des Tattages habe er zwei Freunden detailliert erzählt, dass er das Mädchen töten wolle. Aber niemand warnte sie, und niemand alarmierte die Polizei. „Die Tat hätte verhindert werden können, ganz einfach sogar“, sagte Lingens. Der 17-Jährige lauerte dem Mädchen laut Staatsanwaltschaft im Juni am Bushof in Viersen auf. Sie sei im guten Glauben mit ihm in den Park gegangen, möglicherweise, um eine Aussprache zu führen.

Von der Attacke sei sie überrascht worden. Der Jugendliche habe ein Messer aus der Tasche gezogen und mehrfach auf ihren Oberkörper eingestochen. Es war sommerliches Wetter, der Park war belebt. Zeugen nahmen dennoch nur wahr, wie die 15-Jährige blutend auf sie zulief und zusammenbrach. Sie starb unmittelbar danach. Dem nicht vorbestraften Bulgaren droht eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren. Bis zum Prozess habe er sich nicht zur Tat geäußert, sagte Lingens.

Zu den Mordmerkmalen Heimtücke und niedriger Beweggrund sagte Anwalt Jennrich: „Wir sagen, beides ist zu verneinen.“ Würde das Gericht dem folgen, stünde eine Verurteilung wegen Totschlags im Raum.

Er habe mit der rechten Hand ausgeholt, um Iulia in den Oberschenkel zu stechen, stellte der Jugendliche in der verlesenen Erklärung fest: „Sie hat mich echt provoziert. Ich wollte sie aber nicht töten, sondern ihr einen Denkzettel verpassen.“ Er erinnere sich nur an einen Stich.

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