Prozess in Nizza nach Tod von Drost N. aus Eschweiler

Prozessauftakt : Wurde Drost N. in Südfrankreich ermordet?

Der 50 Jahre alte Drost N. zählte zu den Menschen, die ihr Leben genießen konnten. Als erfolgreicher Eventmanager hat er es zu Geld gebracht und pendelte zwischen seiner Heimat Aldenhoven und dem französischen Eze in der Nähe des Fürstentums Monaco hin und her – bis zu seinem mysteriösen Tod 2011.

Ständig umgab sich Drost N. mit Prominenten und organisierte für sie besondere Feiern und Feste. Wenn Alemannia Aachen am Tivoli ein Heimspiel bestritt, reiste er mit dem Flieger an. Verpasst hat er keine Partie. Kurzum: Drost N. führte ein Leben in Luxus, um das ihn viele beneideten. Bis es jäh endete. Am 26. September 2011 fand man ihn erhängt in seiner Villa in Frankreich. Einiges deutete auf Suizid hin. Am Montag beginnt jedoch in Nizza der Prozess gegen seine ehemalige Lebensgefährtin Grit und ihren neuen Freund. Ihnen wird vorgeworfen, Drost N. ermordet zu haben, um an sein Geld zu gelangen.

Freunde und Familie zweifelten von Anfang an, dass er sich selbst das Leben genommen haben soll. „Wir haben noch kurz vorher miteinander gesprochen, er war voller Ideen“, schildert ein Weggefährte.

In Eschweiler wuchs Drost N. auf und lebte bei seiner Mutter. Er besuchte das Städtische Gymnasium, schloss eine kaufmännische Lehre an und betrieb zunächst wenig erfolgreich ein Reisebüro in der Eschweiler Innenstadt. Die Geschäfte liefen zwar schlecht, aber er knüpfte wichtige Kontakte. Als mit Michael Schumacher die Formel 1 in Deutschland boomte, bot er unter anderem Eventreisen nach Monaco an. Die Geschäftsidee war ähnlich erfolgreich wie der damalige Rennfahrer. 15 Jahre lang war er Ansprechpartner für gut betuchte Kunden, die ein Sportevent in Monaco besuchen oder einfach nur einen ausgefallenen Urlaub mit Partys dort verbringen wollten.

Den Kontakt zu seiner alten Heimat ließ er nie abreißen. Immer wieder lud er auch Freunde zu solchen Events ein und galt als sehr großzügig. Auch zu seiner Partnerin Grit, die mit im Geschäft arbeitete und dafür ihren ursprünglichen Beruf in der Versicherungsbranche aufgegeben hatte. Aber die Beziehung zerbrach nach etwa zehn Jahren. Grit blieb in Frankreich, lebte bei George P. in dem kleinen Dorf Aude in der Nähe von Carcassonne. Der Kontakt zu ihrem ehemaligen Lebensgefährten Drost N. riss jedoch nie ab. An dem Tag seines Todes teilte er Freunden am Telefon mit, dass er noch Besuch erwartet. Es war das letzte Mal, dass sie mit ihm sprechen konnten.

Die Gendarmerie untersuchte den Fall und stieß auf Merkwürdigkeiten. Der Knoten der Schlinge schien verdreht zu sein. Auch ein Abschiedsbrief fand sich nicht. Die Autopsie brachte keine Klarheit: Zwar blieb ein Suizid möglich, aber auch ein Fremdverschulden konnte man nicht ausschließen. Für beide Theorien fehlten anfangs klare Anhaltspunkte. Die Geschäfte des Verstorbenen liefen ausgesprochen gut, Lebenskrisen waren den Freunden und Angehörigen nicht bekannt. Die Ex-Partnerin geriet erst ins Visier der Ermittler, als sie ein vermeintliches Testament vorlegte. Darin wurde sie zur Alleinerbin eingesetzt. Dies verwundert auch engste Vertraute des Verstorbenen, denn Drost N. lebte glücklich in einer neuen Beziehung mit einer Frau aus München. Die Familie erkannte zudem die Handschrift auf dem vermeintlichen Nachlass nicht.

Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Drost N. bemühte sich Grit, die Karriere ihres neuen Partners Georges P. zu fördern, der als Maler arbeitete. Doch seine Bilder verkauften sich schlecht. Sie selbst verfügte über kein eigenes Einkommen, besaß aber nach wie vor die Kreditkarte ihres Ex-Freundes, die sie auch eine Zeit lang noch nutzen konnte. Irgendwann wurde ihr dieser Zugang zum Konto jedoch gesperrt. Ein mögliches Motiv war gefunden. Etwa ein Jahr nach dem Tod des Geschäftsmanns erhielt die Polizei in Frankreich einen weiteren Hinweis: Die Datenauswertung der Mobiltelefone von Grit und Georges sowie der Mautstationen ergaben, dass sie am 25. September 2011 in Eze waren. Einen Tag später wurde Drost N. gefunden. Aber auch dies genügte nicht für ein Gerichtsverfahren, weil das Paar zugab, in Eze gewesen zu sein und dass Grit ihren Ex-Partner besucht hat.

Die Polizei ließ jedoch nicht locker und nahm das Paar im Januar 2015 in Haft. Bei den Vernehmungen gelang den Ermittlern der Durchbruch: Grit legte ein umfassendes Geständnis ab. Wie es heißt, habe sie sich während ihrer Beichte übergeben müssen. Seitdem sitzt das Paar in Haft, Grit versuchte mehrfach, in ein deutsches Gefängnis verlegt zu werden. Um die Liebe zu George P. scheint es auch schlecht bestellt, denn sie beschuldigt ihn inzwischen, für den Tod von Drost N. verantwortlich zu sein. Er wiederum nennt Grit als Hauptschuldige. Was sich genau zugetragen hat, soll ab Montag das Gericht in Nizza in sieben Verhandlungstagen herausfinden. Dazu sind auch Zeugen aus Deutschland geladen. Grit und George P. droht ähnlich wie in Deutschland eine lebenslange Haftstrafe, die „reelle lebenslange“ Haftstrafe, die in Frankreich eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis kategorisch ausschließt, wird sehr selten verhängt. Am 13. November soll das Urteil gesprochen werden.

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