Velbert: Prozess im Fall Kassandra startet im April

Velbert: Prozess im Fall Kassandra startet im April

Sieben Monate nach dem lebensgefährlichen Übergriff auf die kleine Kassandra muss sich der 15-jährige mutmaßliche Peiniger vom 7. April an vor Gericht verantworten.

Dem Jugendlichen werde versuchter Mord vorgeworfen, teilte das Landgericht Wuppertal am Mittwoch mit. Der Förderschüler hatte das Mädchen laut Anklage im September 2009 in Velbert bei Essen lebensgefährlich verletzt und in einen Kanalschacht geworfen.

Nach der Tat soll der Junge den Schacht mit dem 30 Kilogramm schweren Deckel wieder verschlossen haben. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 16 Verhandlungstage wurden angesetzt.

Erstmals gab das Gericht bekannt, wie das Mädchen zu den schweren Kopfverletzungen gekommen war. Laut Anklage soll der damals 14- jährige Schüler Kassandra mit einem Stein ins Gesicht geschlagen haben. Danach habe er sie in der Absicht, sie zu töten, in den 1,50 Meter tiefen Abwasserschacht geworfen, um die Verletzungen zu verdecken.

Das stark unterkühlte Mädchen war erst nach mehr als sieben Stunden in der Nacht von einem Spürhund entdeckt worden. Kassandra wurde mit einer schweren Gehirnerschütterung und inneren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, notoperiert und in ein künstliches Koma gelegt. Erst zwei Monate nach der Tat konnte das Mädchen die Klinik wieder verlassen.

Kassandras Eltern hatten ihre Tochter als vermisst gemeldet, nachdem sie am Nachmittag nicht von einem nur wenige hundert Meter entfernten betreuten Spieltreff nach Hause zurückgekehrt war. Der Kanalschacht, in dem das verletzte Mädchen gefunden wurde, liegt hinter einer Turnhalle in unmittelbarer Nähe des Spieltreffs.

Faserspuren an der Jacke des Mädchens und Zeugenaussagen führten die Ermittler auf die Spur des verhaltensauffälligen Förderschülers. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes sieht das Gesetz eine Jugendstrafe zwischen sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.