Landgericht: Prozess gegen „Brummi-Andi“ wird verlängert

Landgericht : Prozess gegen „Brummi-Andi“ wird verlängert

Konstanze Jankowski gilt als eine durchaus renommierte Gutachterin. In einem aktuellen Prozess sind ihre Eindrücke allerdings nicht mehr gefragt. Der Kammer ist zu Ohren gekommen, dass sie in einer Verhandlungspause den Angeklagten als „linke Bazille“ bezeichnet haben soll.

Konstanze Jankowski gilt als eine durchaus renommierte Gutachterin. Die Psychiaterin ist schon in vielen Strafprozessen bundesweit gefragt gewesen. Gerade ist sie in Aachen unterwegs. Vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts soll sie eine Expertise über Andreas B. abgeben. Der 33-Jährige, der als „Brummi-Andi“ schon vor 20 Jahren zweifelhaften Ruhm erlangte, ist in 72 Punkten angeklagt. Wieder sind es viele gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr, die ihm, der noch nie einen Führerschein besessen hat, vorgehalten werden.

Es geht aber auch um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, um Brandstiftung, Falschgeld, um Beleidigung und Bedrohung, um Zwangsprostitution und Zuhälterei. Die Anklage gibt einen schönen Überblick darüber, was alles im Strafgesetzbuch geregelt ist. Mehr als zehn Jahre hat Andreas B. schon hinter Gittern verbracht, in diesem Verfahren geht es neben den nächsten Gefängnisstrafe noch um mehr. Ihm droht nun die Sicherungsverwahrung, die verhängt wird, um die Bevölkerung vor notorischen Straftätern zu schützen.

Relevant für die Entscheidung des Gerichts sind auch die Eindrücke der psychiatrischen Gutachterin. Die Eindrücke von Konstanze Jankowski sind allerdings nicht mehr gefragt. Der Kammer ist zu Ohren gekommen, dass sie in einer Verhandlungspause den Angeklagten als „linke Bazille“ bezeichnet haben soll. Die forensische Psychiaterin muss nun, so wollen es die übrigen Verfahrensbeteiligten, den Prozess verlassen. Sie wird entpflichtet, wegen „Besorgnis der Befangenheit“. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang, der Einfluss auf den weiteren Fortgang des Prozesses hat.

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Nicht länger Gutachterin im Verfahren: Konstanze Jankowski verlässt wegen möglicher Befangenheit den Prozess. (Archivbild). Foto: ZVA/Ralf Roeger

Ein neuer Gutachter ist zwar kurzfristig gefunden, doch die Beweisaufnahme muss nun zum größten Teil wiederholt werden, damit sich der neue Sachverständige Christian Burgmann (Bonn) selbst ein Urteil bilden kann. „Das ist leider unvermeidlich“, sagt Jürgen Beneking, der Kammervorsitzende. Der Angeklagte hat Dutzende Fahrten ohne Führerschein weitgehend eingeräumt, ebenso die Beleidigungen und Bedrohungen. Die Wutausbrüche sind ohnehin auf Audio-Dateien festgehalten.

Bislang haben in dem Verfahren unter anderem zwei Frauen ausgesagt, die von Andreas B. angeblich zur Prostitution gezwungen worden sind. Teilweise wurde der Angeklagte massiv belastet. Am Montag war Svenja Z. geladen, die sich als Verlobte von Andreas B. auswies. Juristisch ist das nicht möglich, weil sie noch anderweitig verheiratet ist. Laut Anklage ist sie mehrfach Opfer von Andreas B. geworden. Kopfverletzungen, ausgeschlagene Zähne, selbst eine Stichwunde in der Wade steht in den Akten. Die 22-Jährige machte von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch, sie will sich nicht belasten. Svenja Z. hat im fraglichen Zeitraum mit dem Angeklagten zusammengelebt, auch ihr droht möglicherweise ein Strafverfahren.

Der Prozess gegen Andreas B. sollte ursprünglich Mitte November enden, am Montag wurden nun neue Termine bis weit in den Januar gefunden. Der neue Gutachter muss nicht nur den Angeklagten neu explorieren, er muss sich auch in die etwa 700-seitige Hauptakte und das umfangreiche Vorstrafenregister einlesen.

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