Proteste wegen Rodung im Hambacher Forst

Merzenich: Rodungen im Hambacher Forst: Aktivisten werfen mit Steinen

Bei der am Montagmorgen begonnenen Rodungsarbeiten im Hambach Forst ist es offenbar zu ersten Ausschreitungen gekommen. Aktivisten hätten Polizisten und Mitarbeiter des RWE-Werkschutzes mit Steinen beworfen, dabei seien Autos beschädigt worden, teilte die Polizei am Montagmittag auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Etwa 50 Aktivisten hätten versucht, vom besetzten Teil des Waldes aus zum Ort der Rodungen in der Nähe der alten A4-Abfahrt Kerpen zu gelangen, sagte Polizeisprecher Andreas Müller. Die Polizei drängte die Aktivisten zurück. Dabei sei auch Pfefferspray gegen die Aktivisten eingesetzt worden. Kurzfristig konnten drei Aktivisten die Polizeikette durchbrechen. Sie erhielten einen Platzverweis.

Zudem waren auf der L276 Barrikaden errichtet, die jedoch von den Einsatzkräften beseitigt werden konnten. Außerdem fanden Einsatzkräfte entlang der L276 vorgefertigte Nagelbretter. Diese waren mit Seilen versehen, mit denen die Vorrichtungen über die Fahrbahn hätten gezogen werden können. Sie wurden von den Einsatzkräften sichergestellt.

Über Verletzte konnte die Polizei am Mittag noch keine Angaben machen. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt. Nach Schätzungen der für den Einsatz verantwortlichen Aachener Polizei halten sich bis zu 200 Waldbesetzer im Hambacher Forst auf.

Der Energiekonzern RWE hat am Montagmorgen damit begonnen, die Rodungsarbeiten in den Resten des Hambacher Forstes fortzusetzen. Seit 9.10 Uhr werden in unmittelbarer Nähe der alten Autobahn-4-Abfahrt Kerpen die ersten Bäume dieser Rodungssaison geschlagen. Die Arbeiten finden im Moment östlich der L276 statt, also nicht in dem seit 2012 von Umweltaktivisten besetzten Waldstück.

Einige Dutzend Aktivisten beobachten die Arbeiten aus der Ferne, Polizei und RWE-Werkschutz sind vor Ort. Im besetzten Teil des Waldes haben die Aktivisten neue, dieses Mal massive Barrikaden errichtet, um Polizei und Waldarbeiter den Zugang zu erschweren.

Das Verwaltungsgericht Köln hatte die Rodungen am vergangenen Freitag in erster Instanz erlaubt. Dieses Urteil schaffe weitere Planungssicherheit, hieß es bei RWE: „Der Tagebaubetrieb kann und wird unverändert weiterlaufen.”

Die Aachener Polizei rechnet bei den anstehenden Rodungen mit Widerstand und hat sich auf einen größeren Einsatz eingestellt. Nach ihren Angaben besteht die Waldbesetzer-Szene aus rund 200 tendenziell gewaltbereiten Protestlern der linksautonomen Szene. Einige von ihnen leben in Baumhäusern und Zelten in dem Teil des Waldes, der gerodet werden soll.

RWE geht davon aus, dass die Rodungsarbeiten in dem uralten Wald mehrere Wochen dauern. Es gebe keine Planungen, wie weit die Arbeiten pro Tag fortschreiten müssen, wie RWE-Sprecher Guido Steffen sagte. „Machen wir uns nichts vor, die Schwierigkeiten werden ja dann kommen, wenn wir in den besetzten Wald reinmüssen. Da ist ja nicht absehbar, was da an Widerstand kommt”, sagte Steffen.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter, forderte per Twitter die nordrhein-westfälische CDU/FDP-Landesregierung auf, zu intervenieren. „Obwohl Kölner Hambach-Urteil noch nicht rechtskräftig ist, schafft RWE schon Fakten”, twitterte sie. „Das, was da im Hambacher Forst stattfindet, ist durch die Rechtslage eindeutig gedeckt”, sagte dagegen RWE-Sprecher Steffen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW wollte unterdessen weitere Hebel in Bewegung setzen, um die Rodungen auf juristischem Weg doch noch zu stoppen.

(gego, dpa)
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