Zweigstelle der FH für öffentliche Verwaltung: Polizisten demnächst „made in Aachen“

Zweigstelle der FH für öffentliche Verwaltung : Polizisten demnächst „made in Aachen“

Das Wehklagen ist überall zu hören. Händeringend werden im öffentlichen Dienst Fachkräfte gesucht. Ob Polizei oder Feuerwehren, ob Erziehungsdienst oder allgemeine Verwaltungen – der Mangel an entsprechend ausgebildeten Leuten ist groß.

Und wenn es ausreichend Interessenten gibt, dann mangelt es an den Ausbildungsmöglichkeiten.

In Aachen wird es nun jedoch einen neuen Baustein geben, um diesem Mangel entgegenzuwirken: Bereits im Sommer kommenden Jahres wird nach Informationen unserer Zeitung die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) eine Dependance in Aachen eröffnen. Und zwar im bisherigen Technologiezentrum am Europaplatz, das 1984 gebaut wurde und noch der Aachener Wirtschaftsförderungsgesellschaft Agit gehört.

Agit-Geschäftsführer Lothar Mahnke sagte am Dienstag auf Anfrage, man sei kurz vor einer Vertragsunterzeichnung mit dem Land, das als Mieter in das Gebäude einziehen würde. Die Agit will das Haus jedoch auch verkaufen, wobei es derzeit noch keinen Käufer gebe, so der Geschäftsführer.

Wenn die FHöV einzieht, wäre rund ein Drittel der Flächen im Technologiezentrum mit Hochschulnutzungen belegt. Auch ein RWTH-Ableger und die Hochschule für Ökonomie und Management sind dort zu Hause. In der Zentrale der FHöV in Gelsenkirchen war man am Dienstag mit konkreten Aussagen noch zurückhaltend. Für einen Standort Aachen sehe es grundsätzlich gut aus, die Gebäudefrage sei noch offen, hieß es.

Anreiz für den Polizeiberuf

Da ist man in anderen Behörden offenbar schon etwas weiter mit der Information. Die Aachener Polizei jedenfalls begrüßt die Eröffnung der Ausbildungseinrichtung sehr. Polizeipräsident Dirk Weinspach: „Aachen ist schon heute Hochschulstandort. Da passt es gut, dass die Aachener Polizei als Ausbildungsbehörde den angehenden Polizisten auch eine Studienheimat bietet.“

Weinspach: „Natürlich erhoffe ich mir mit dieser Entscheidung, dass der Studienstandort Aachen jungen Menschen Anreiz bietet, sich für den Polizeiberuf zu bewerben und hier in Aachen zu studieren. Mit dem Technologiezentrum haben wir zudem ein modernes, zentral gelegenes Gebäude gefunden, das für die Studierenden ein ideales Lernumfeld bietet.“

Oberbürgermeister Marcel Philipp ist nicht weniger erfreut: „Selbstverständlich freuen wir uns in Aachen, wenn unsere Hochschullandschaft um eine weitere gute Adresse wächst. Und gerade für die Stadtverwaltung mit ihrem attraktiven Angebot in der dualen Ausbildung ist das eine großartige Nachricht. Für unsere Leute verkürzen sich die Wege in die Hochschule.“ Der Standort werde so gestärkt. Wenn tatsächlich alles auf das heutige Technologiezentrum als Standort hinauslaufe, sei das auch ein „willkommener Impuls an diesem Einfalltor zur Stadt“.

Dem Vernehmen nach sollen an der FHöV in Aachen 600 Polizistinnen und Polizisten sowie 200 Angehörige von Kommunen studieren. Die Hochschule bildet im dreijährigen dualen Studiengang aus, wobei der Abschluss der Bachelor of Arts oder Law ist. Im Gegensatz zu Studierenden anderer Hochschulen erhalten die Absolventen hier ein festes Gehalt, wie es auf der FHöV-Homepage im Internet heißt.

Agit-Neubau am Campus?

Die Agit, die lange Jahre am Europaplatz residierte, zieht es indes auf Sicht zum RWTH-Campus Melaten. Laut Lothar Mahnke soll dort wieder das entstehen, was das Technologiezentrum Europaplatz einst war: „Es soll dort dann wieder ein echtes Gründerzentrum werden.“ Angefangen hatte die Agit einst mit einem solchen an der Jülicher Straße in Aachen in einem alten Gewerbegebiet. Mahnke kann sich vorstellen, dass ein solcher Neubau 2020 stehen könnte. Der Betrieb der Fachhochschule für den öffentlichen Dienst soll unterdessen bereits am 1. September 2019 starten. Derzeit, so Lothar Mahnke, gehe es nur noch um kleine Detailfragen. An denen soll es nicht scheitern.

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