Ausbildungszeit und Pensionierungszahlen: Polizeipräsenz steigt erst in einigen Jahren

Ausbildungszeit und Pensionierungszahlen : Polizeipräsenz steigt erst in einigen Jahren

Es wird erst einmal keine bessere Polizeipräsenz geben. Vor dieser Erwartung warnt die Gewerkschaft der Polizei. Zwar sei nach langen Jahren des Personalabbaus eine Kehrtwende eingeleitet worden, die vierjährige Ausbildungszeit und die sehr hohen Pensionierungszahlen verhinderten aber eine sofortige Wirkung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat auf der Grundlage neuer Personalberechnungen vor der Erwartung gewarnt, die versprochenen Neueinstellungen könnten auf absehbare Zeit zu einer besseren Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit führen. „Mehr Sicherheit, sprich mehr Polizisten, wird es erstmal nicht auf den Straßen, Plätzen und Bahnhöfen geben“, sagte GdP-Chef Oliver Malchow unserer Redaktion. Zwar sei 2018 nach langen Jahren des Personalabbaus endlich eine Kehrtwende eingeleitet worden. „Wirklich mehr Polizisten im Einsatz werden wir jedoch erst frühestens in acht Jahren haben“, sagte er voraus.

Die Gründe für diese starke zeitliche Verzögerung bestünden sowohl in der vierjährigen Ausbildungszeit für jeden Polizisten als auch in den sehr hohen Pensionierungszahlen in naher Zukunft. Von den 260.000 Vollzugsbeamten in Bund und Ländern gingen allein bis zum Jahr 2020 rund 40.000 in Pension. In diesen Monaten verabschieden sich gerade die einstellungsstarken Jahrgänge. Vor 40 Jahren wurden auf dem Höhepunkt des RAF-Terrors tausende Beamte eingestellt.

Die GdP hat hochgerechnet, dass bis zum Jahr 2024 bundesweit rund 55.000 Polizisten ausscheiden – jeder fünfte Polizeibeamte. Die größten „Ruhestandsabgänge“ seien bis 2024 in Baden-Württemberg (rund 7500) und NRW (mehr als 7000) zu erwarten.

Keine Lücken beim Präsidium in Aachen

In der Aachener Schwerpunktbehörde halten sich dagegen Neueinstellungen und Abgänge die Waage, sagt Arno Keusch, GDP-Chef der Aachener Kreisgruppe. Die Behörde bekam zuletzt wegen des Einsatz-Schwerpunktes „Hambacher Forst“ weitere Stellen zumindest temporär zugewiesen.

Behördensprecher Paul Kemen erinnert an die Arbeitsgruppe „Demografie“, die die anstehende Fluktuation analysiert habe. „Im Endergebnis wurde dafür gesorgt, dass Nachfolger mit einem entsprechenden Vorlauf in ihre neue Positionen eingearbeitet werden“, sagt Kemen, der ebenfalls bald in Pension geht. Die GdP fordert, weitere Ausbildungsplätze zu schaffen. Derzeit rechne man mit neun Bewerbern auf eine Stelle.

(may/pa)