Polizei in NRW kontrolliert am Mittwoch Handys am Steuer

Polizei macht mobil : Der Tag der Handy-Kontrolle

Der einschlägige Paragraf in der Straßenverkehrsordnung wurde im letzten Frühjahr verschärft, in der landesweiten Statistik hat sich das noch nicht niedergeschlagen. 166.875 Mal wurde im letzten Jahr ein Fahrer erwischt, der sich von einem Handy ablenken ließ.

Im Jahr zuvor waren es noch 10.000 Fälle weniger. Noch alarmierender ist die Zahl der handynutzenden ertappten Radfahrer. 2014 waren es landesweit 1404, 2018 dagegen schon 24.741.

Weil das ein besorgniserregender Trend ist, ist der Mittwoch wieder als landesweiter Kontrolltag ausgerufen worden. Landesweit haben hunderte Polizisten Ausschau gehalten nach Autofahrern, die am Steuer mit dem Handy telefonieren, oder munter Textnachrichten tippen oder lesen.

Wer beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung gestoppt wird, musste 100 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Radfahrer, die telefonierend am Handy angetroffen werden, zahlen 55 Euro. Unter Strafe steht das „Lesen von Kurznachrichten oder die Nutzung anderer Multimediaangebote (z. B. Internet, Fernsehen), da diese Tätigkeiten grundsätzlich eine längere Blickabwendung erfordern“. So steht es im Gesetz. Das Annehmen eines Telefongespräches per Tastendruck ist den Autofahrern weiterhin erlaubt.

Wer in Neuss am Mittwoch erwischt wurde, konnte auch noch den NRW-Innenminister kennenlernen, vermutlich von einer energischen Seite. Herbert Reul (CDU) hatte dort eine der Kontrollaktionen begleiten und die neue Kampagne „Lenk dich nicht app. Kein Handy am Steuer“ mit vorgestellt. „Jeder Anruf kann warten. Keine Kurznachricht ist so wichtig, dass dafür das eigene Leben aufs Spiel gesetzt und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden dürfen“ – das hat der Innenminister heute sicher einige Male den Verkehrssündern mit Verve vorgetragen.

Die Smartphone-Nutzung am Steuer ist ein polizeilicher Schwerpunkt bei der Verkehrsunfallbekämpfung, steht sie doch unter dringendem Tatverdacht, für die wachsende Zahl von schweren Verkehrsunfällen in NRW verantwortlich zu sein. Studien aus Österreich legen inzwischen nahe, dass Ablenkung bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle spielt. Nahezu alle Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Ortstermin in Neuss: Innenminister Herbert Reul (CDU, rechts) sprach am Mittwoch mit den Polizisten Frank Below (links) und Timm Kehrbaum. Foto: dpa/Federico Gambarini

Den Verdacht, dass ein Unfall durch die Handynutzung verursacht würde, bestehe häufiger, sagt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei. Allein der Nachweis ist schwierig, selbst wenn der Fahrer aus dem Nichts die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat. Handys werden bei schweren Unfällen mit Todesfolge eingezogen und ausgelesen. Bei Bagatellunfällen gilt die Maßnahme als unverhältnismäßig.

(pa/dpa)