Aachen/Duisburg: Polizei: Einsatzzeit in Fußballstadien fast verdoppelt

Aachen/Duisburg: Polizei: Einsatzzeit in Fußballstadien fast verdoppelt

Der Sicherheitsbedarf in deutschen Fußballstadien ist dramatisch gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren verdoppelte sich die Stundenzahl, die die Polizei in den Stadien der ersten, zweiten und dritten Liga zu leisten hat. Und selbst die Einsatzhundertschaft der Aachener Polizei muss an 30 Wochenenden pro Saison in Fußballstadien arbeiten, obwohl Aachen überhaupt keinen Profiverein mehr hat, seitdem die Alemannia im Sommer in die Regionalliga abgestiegen ist.

Dass die Arbeitsstunden der Polizisten in Deutschlands Fußballstadien zwischen den Saisons 2002/03 und 2012/13 von 900.800 auf 1,75 Millionen Stunden gestiegen sind, hält Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) für nicht akzeptabel. „Unser Ziel ist, in Zukunft weniger Polizisten bei Fußballspielen einzusetzen“, sagt Jäger. In NRW wird die Bereitschaftspolizei zu 30 Prozent ihrer Einsatzzeit zum Schutz von Fußballspielen gebraucht, hat Jäger errechnen lassen.

Wilhelm Jensch, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Regionalgruppe Aachen, hält den Einsatz von Polizisten bei Fußballspielen jedoch „nach wie vor für notwendig“ (siehe „Eine Frage an“). Das zeigen auch die Zahlen, die die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Duisburg für die Saison 2012/13 bekanntgegeben hat: Zwar gibt es im Ganzen gesehen weniger Gewalt an den einzelnen Spieltagen, die Zahl der Probleme ist aber trotzdem nicht gesunken.

In der ersten und zweiten Liga wurden in der Saison 2012/13 insgesamt 788 Menschen verletzt. In der Saison zuvor hatte es noch 1142 Verletzte gegeben. Zudem ging auch die Zahl der Strafverfahren im Umfeld der Partien zurück: 2012/2013 wurden 6502 Verfahren eingeleitet — ein Rückgang von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auf den ersten Blick bieten diese Zahlen Anlass zur Freude, Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht: Viele Zahlen, wie auch die der eingeleiteten Strafverfahren, liegen schließlich noch immer deutlich über dem Wert aus der Saison 2010/11.

Sorgen bereitet auch die Entwicklung in der dritten Liga: Dort stieg die Zahl der verletzten Stadionbesucher von 236 auf 358 deutlich an. Ein ähnlicher Anstieg ist bei den eingeleiteten Strafverfahren zu verzeichnen: 1645 Mal musste die Polizei tätig werden, öfter als je zuvor. Gleiches gilt für die Regionalligen.

„Fußballstandort Nummer eins“

Weitere Bedenken äußert auch der nordrhein-westfälische Landesbezirk der Gewerkschaft der Polizei: Die von der ZIS veröffentlichten Zahlen seien viel zu optimistisch, auch weil die Zahl der verletzten Polizisten von 338 auf 351 gestiegen sei.

Außerdem ärgern sich die Polizei-Gewerkschafter darüber, dass eine alte Forderung noch immer nicht in die Tat umgesetzt wurde: Ein landesweites Lagebild Fußball und Gewalt gibt es nicht. „Das ist mehr als überfällig, denn NRW ist der Fußballstandort Nummer eins“, sagt Arnold Plickert, Landesvorsitzender der GdP. „Die Öffentlichkeit muss endlich erfahren, in welchen Vereinen es besonders viele Problemfans gibt“, fordert Plickert.

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