Aachen: Poetry-Slam-Meisterschaft: Von „Slammern“ und Denkern

Aachen : Poetry-Slam-Meisterschaft: Von „Slammern“ und Denkern

Spätestens seit Julia Engelmann weiß so gut wie jeder, dass Poetry Slam in Deutschland angesagt ist. In Aachen treffen sich die modernen Dichter schon seit 20 Jahren, lange also vor dem jüngsten Wirbel um die Kunstform.

Jeden ersten Freitag im Monat kommen die „Poetry Slammer“ aus ganz Deutschland in der „Raststätte“ zusammen. Der Veranstaltungsort in der Nähe des Hauptbahnhofs ist dann fast immer zum Bersten voll.

Am Freitag, 20.10., fand aber kein gewöhnlicher Poetry-Slam-Abend statt. Die Moderatoren des monatlichen Events — Eric Jansen und Oscar Malinowski, selbst leidenschaftliche „Slammer“ — hatten zusammen mit niederländischen Kollegen die Idee zu einem euregionalen Wettbewerb unter den modernen Dichtern.

An dem Abend also ist die „Raststätte“ noch ein bisschen voller als sonst, die Regeln, zum Beispiel die Höchstdauer von sechs Minuten pro Auftritt, werden noch genauer eingehalten. Zehn Auftritte von jungen Poeten aus Aachen und Ostbelgien gibt es, fünf werden es in die nächste Runde am 14. Dezember nach Heerlen schaffen. Im November findet eine ähnliche Vorrunde in den Niederlanden statt, von denen ebenfalls fünf Poeten in Heerlen antreten werden.

Die Bühne in der „Raststätte“ ist mit einem Teppich vom Publikum abgegrenzt. Die Stuhlreihen sind aber längst voll und die „Slam“-Fans sitzen noch vor der ersten Reihe auf dem Boden, die Füße schon auf der „Bühne“. Die Stimmung ist ausgelassen, aber als der erste Poet auf der Bühne steht, wird es sofort still. Selbst ein Flüstern würde jetzt stören. Es gibt einen Mikrofonständer und etwas Bühnenbeleuchtung, mehr nicht. Requisiten jeglicher Art sind verboten, genauso wie nicht selbst geschriebene Texte. Fünf Tafeln werden an Freiwillige ausgegeben, Punktzahlen von eins bis zehn können damit verteilt werden.

Hinter den Kulissen ist die Atmosphäre locker, die Stimmung gut. Alle zehn Künstler sitzen zusammen, unterhalten sich. Kurz vor dem eigenen Auftritt lesen die meisten noch einmal ihren Text, bewegen lautlos die Lippen oder gehen auf und ab, während sie das Gedicht noch einmal im Kopf durchgehen.

Lang lebe die Melancholie!

Als fünfte Dichterin des Abends steht Luca Swieter auf der Bühne. Sie trägt einen „Text mit dem etwas altertümlichen Titel ‚Yolo‘“ vor, wie sie sagt. Er handelt über ihre melancholische Grundstimmung, und darüber, dass sie sich die auf keinen Fall von dem gut gemeinten Engagement von ihren Freunden nehmen lassen möchte. Sie fährt die ersten zehn Punkte des Abends ein, und früh zeichnet sich ab, dass sie es schon nach Heerlen geschafft hat. Dass sie auch als Siegerin der Vorrunde hervorgeht, das weiß sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.

Die Themen der Texte sind am Abend völlig frei, die meisten sind lustig, unterhaltsam, nicht selten aber mit einem nachdenklichen Anstrich. Von einer Hommage an die eigene Nerdigkeit, den Versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen über die Natur bis hin zur Gesellschaftskritik zum Thema „Glück“ ist alles dabei.

Letztere wird von Lukas Knoben vorgetragen, der sich als nächster sofort für die nächste Runde in Heerlen qualifiziert. Er trägt seinen Text frei vor, ist dabei ausdrucksstark, manchmal eindringlich, und unterstützt seinen Vortrag mit gestikulierenden Handbewegungen. „Glück ist auch da, wo man es nicht erwartet“, trägt er vor.

Auch Johanna Klein — die sich früher am Abend zu ihrem Nerdsein „bekannt“ hat — und Julius Schneege, der sich in seinem Gedicht als Idealist outet und sich fragt, wie es dazu kommen konnte, fahren im Dezember nach Heerlen. Und auch Florian Schreiber, der sich mit der Natur mit all ihren Facetten beschäftigt hat und damit Zweiter bei „einem der ältesten Poetry Slams in Deutschland“ wurde, wie Moderator Eric Jansen sagt.