Aachen: Planern soll im Dom ein Licht aufgehen

Aachen : Planern soll im Dom ein Licht aufgehen

Rot, blau, grün — in der Chorhalle des Aachener Doms leuchten die hohen Glasfenster, es ist neun Uhr früh, ein sonniger Tag: „Die Kraft der Sonnenstrahlen ist immer wieder erstaunlich“, sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Selbst mit starken Scheinwerfern lässt sich diese Wirkung nicht erzielen.

Doch ohne künstliche Innenbeleuchtung geht es selbst in diesem Bauwerk nicht. Ein neues Beleuchtungssystem für den gesamten Dom steht an. Die letzte Modernisierung stammt aus den Jahren 1984 bis 1986. Die Deckenlampen im Sechzehneck wurden bereits 1910 aufgehängt und sind denkmalgeschützt. Gleiches gilt für die dort mild schimmernden Alabasterschalen.

Technisches Durcheinander

Die mit jeweils drei bis fünf runden Glühlampen versehenen Einzelleuchten sind Maintz ein Dorn im Auge. „Ich möchte die Details im Innenraum sehen, aber diese Lampen lenken nur ab, die stören nur“, sagt er entschlossen. „Sie sind einfach schrecklich.“

Rund eine halbe Million Euro wird es kosten, das Dom-Innere in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Der Weg dahin ist kompliziert. „Was sich jetzt bietet, ist ein technisches Durcheinander“, sagt Maintz. Da wurden defekte Glühbirnen zum Teil wahllos ausgetauscht. Für die damals angebrachten Schienen mit drei bis fünf Strahlern gibt es inzwischen keine Ersatzteile mehr. Bei der Analyse der gesamten Situation hat Maintz rundum einen Mix aus LED-, Halogen- und Sparleuchten ermittelt.

Bereits seit der Innensanierung des Doms werden Lösungswege diskutiert. Maintz reiste nach Regensburg, Köln und München, um sich in anderen Kirchen umzuschauen. „In einem offenen Raum ist es viel leichter, die Beleuchtung zu gestalten, als im Aachener Dom. Er ist verwinkelt und hat sehr unterschiedliche Bauteile.“ Der Dombaumeister besteht darauf, dass von Anfang an Architekt und Lichtplaner eng zusammenarbeiten. Wer das sein wird, soll ein Wettbewerb entscheiden, den das Domkapitel demnächst ausschreibt.

Viel Technik wird bei diesem Projekt zum Einsatz kommen, aber man darf sie im mittelalterlichen Bauwerk nicht sehen. Und genau das ist das Problem. „Jedes Lampensystem braucht sowohl ein Steuer- als auch ein Stromkabel, damit die Betriebssicherheit der einzelnen Elemente garantiert ist“, betont Maintz. Doch wohin mit kreuz und quer verlaufenden Kabeln und Kabelkanälen, die man nicht (wie etwa im Kölner Dom) in hohen, vor Besuchern verborgenen Umgängen verstecken kann? Eine enorme Herausforderung für die Planer.

Das zukünftige Lichtkonzept muss unterschiedliche Szenarien bedienen: den alltäglichen Gottesdienst, das festliche Pontifikalamt, Konzerte, Touristenbesuch und Führungen. Selbst eine Putzbeleuchtung braucht entsprechende Qualität. Sollen Marien- und Karlsschrein, Heinrichskanzel, Säulen, Gitter und Figuren extra beleuchtet werden oder besser nicht? Wie lenkt man den Blick in die Höhe zu Ringankern, Gewölben und Mosaiken? „Beleuchtung darf die Atmosphäre im Inneren des Doms nicht zerstören“, fordert Maintz. Für ihn ist es wichtig, dass sich Besucher auch in Zukunft auf Raum und Stille einlassen können, dass museale Effekte vermieden werden und man sogar weiterhin ein Gefühl für das Wetter, die Tages- und Jahreszeiten hat, die im Außenbereich herrschen.

Rund zwei Jahre wird es dauern, bis ein Lichtkonzept umgesetzt ist. Der Dombaumeister hofft auf Kreativität, wenn neueste Technik auf historische Bausubstanz trifft.