„Pferd & Sinfonie“ zum CHIO-Auftakt im ausverkauften Dressurstadion

Aachen : „Pferd & Sinfonie“: Fabelhafte Momente mit Musik, Mythen und Vierbeinern

Was für eine Reiterin! Was für ein Pferd! Was für ein magischer Auftritt! Als sich die Nacht über das Dressurstadion in der Aachener Soers gelegt hat und die französische Weltklassereiterin Alizée Froment auf Mistral einreitet, hat die CHIO-Auftaktveranstaltung „Pferd & Sinfonie“ zum Thema „Märchen, Mythen, Helden“ ihre Königin gefunden.

Zum schmelzend-schönen Klavierpart der Filmmusik „Die fabelhafte Welt der Amélie“ schweben Pferd und Reiterin anmutig durch die Arena.

Das Sinfonieorchester Aachen prägte zwei Abende im Deutsche-Bank-Stadion mit „Pferd & Sinfonie“ zum CHIO-Auftakt unter der Leitung von Kapellmeister Mathis Groß. Zauberhaft mit Schwanenflügeln präsentierte sich Weltklasse-Dressurreiterin Alizée Froment auf Mistral. Foto: Andreas Steindl

Mistral ohne Zaumzeug scheint die sanften Kommandos seiner Reiterin über den Halsring stets vorauszuahnen, das Publikum hält den Atem an, als Alizée Froment schließlich das Schwanengefieder ausbreitet. Am Flügel sitzt als Solist mit großer Empfindsamkeit Kapellmeister Mathis Groß, der das Orchester für den erkrankten stellvertretenden Generalmusikdirektor Justus Thorau sicher und flexibel durch einen vielschichtigen Abend führt.

Die neu in diesem Jahr eingeführte Kameratechnik, mit der Nahaufnahmen auf zwei Großbildleinwände projizieren werden können, ist ein Gewinn. Stadionsprecher Volker Raulf und Musikdramaturg Christoph Lang führen kurzweilig durch das Programm. Tradition ist bei Pferd & Sinfonie gleichfalls die gute Tat: Diesmal überreicht ALRV-Präsident Carl Meulenbergh dem städteregionalen Verein „Menschenskind“ einen 12.000-Euro-Scheck. Das Geld soll helfen, Reittherapien von kranken Kindern zu finanzieren.

„Mary Poppins“ schwebt ins Stadion

An den zwei ausverkauften Abenden werden vielfältige circensische Elemente gezeigt: Zur Musik von „Mary Poppins“ jonglieren Mitglieder des Hochschulsports. Die Schaubildgruppe Lobberich, die einen kompletten Jahrmarkt aufbaut, und das Theater Lufttanz Berlin sorgen für romantische Überraschungen — da schwebt Kindermädchen „Mary Poppins“ elegant aus dem Abendhimmel ein. Ein Kran macht’s möglich. Er wird gleichfalls zum Flughelfer von „Peter Pan“ aus dem Team Britta Rasche-Merk und dem Aachener Ballett Ferberberg. Eine märchenhafte Idee, Sternenstaub inklusive.

Ein paar Längen im Programm werden überbrückt durch eindrucksvolle Einzelleistungen und den Zauber dynamischer Tiere, etwa die sympathisch-dickköpfigen Kaltblüter vom NRW-Landgestüt Warendorf oder die Stuten mit ihren Fohlen vom Arabergestüt Ismer. Die Orientalische Tanzgruppe der RWTH mit imposanten Goldflügeln ist ein Hingucker mit Märchenflair zu Musik aus Nikolai Rimski-Korsakows „Scheherazade“. Mutig stellt sich schließlich der 15-jährige Enzo Kok, Geigenvirtuose aus den Niederlanden, in die Arena, wo ihn Johanna Kullmann, Siegerin bei den Aachen Youngstars 2017, mit ihrem Pony Casino Royale perfekt umrundet. Zwei Ausnahmetalente, die miteinander harmonieren.

Junge Akteure geben dieser Ausgabe von „Pferd & Sinfonie“ Frische. So verblüfft die Minihofreitschule vom Fohlenhof Farbenfroh mit ihrer Schulquadrille zu Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ — eine perfekt gerittene Puppenstube der Reitkunst mit konzentrierten Reitern, die ihre Tiere perfekt im Griff haben. Die Voltigierer des S-Teams des RSV Neuss-Grimlinghausen, Sieger des Nationenpreises beim CHIO 2017, beweisen, dass Akrobatik auf einem Pferd, das sich bewegt, möglich ist.

Schließlich der opulente Abschluss mit Edward Elgars „Pomp & Circumstance“: Die Reiter haben ihre Pferde längst im Stall versorgt, aber sie marschieren mit Fackeln noch einmal ein, um den euphorischen Applaus zu genießen, der auch dem fabelhaft agierenden Sinfonieorchester Aachen und Mathis Groß gilt.

Mehr von Aachener Nachrichten