Düren: Peter Borsdorff und der Lauf seines Lebens

Düren: Peter Borsdorff und der Lauf seines Lebens

Er ist der mit Abstand bekannteste Läufer der Region. Wenn Peter Borsdorff an den Start geht, dann steht eigentlich schon fest, welchen Platz er am Ende belegen wird: den letzten. Die ideale Linie eines Tempoläufers hat der Dürener längst verlassen.

Bei einem Volkslauf macht er mehr Meter als alle anderen Starter. Zuschauer rufen seinen Namen, Borsdorff läuft im Zick-Zack-Kurs von einem zum anderen, damit die Menschen Geld in seine Sammeldose stecken können. Seit fast 17 Jahren kämpft Borsdorff nicht mehr gegen die Uhr, sondern für behinderte und kranke Kinder. 500.000 Euro hat „Pitter mit de Duus” jetzt im Alleingang gesammelt. „Und ich mache das so lange weiter wie ich kann”, sagt Borsdorff.

Die Idee kam zufällig

Die Idee zu „Running for kids” kam dem 68-Jährigen zufällig in der Einsamkeit des Läufers. An einem nass-kalten Tag im Januar 1995 hatte sich der Dürener zu einer Trainingseinheit mit anderen Langtretern verabredet. 35 Kilometer wollte die Gruppe in die Voreifel laufen. Borsdorff war ehrgeizig, schließlich wollte er sein Ziel, Jahr für Jahr drei Marathonläufe unter drei Stunden zu absolvieren, nicht aus den Augen verlieren. Die Anderen ließen den Mann des Dürener TV damals im Regen stehen.

Borsdorff lief alleine los. Unterwegs ratterten die Gedanken des Tages durch seinen Kopf. Der Läufer erinnerte sich an einen Artikel in unserer Zeitung. Da stand etwas von Billardspielern, die Geld für einen Sonderkindergarten in Düren-Rölsdorf gespendet hatten. „Da müsste man was tun”, kam ihm, der selbst für die Organisation von Läufen zuständig war, ein Gedanke.

Die Zeit für die Aktion hat der damals Berufstätige gefunden, weil er nicht mehr für einen Marathon trainiert hat. 150 Kilometer pro Monat statt 650 - diesen Schnitt hält der Dürener nach wie vor.

Warum der 68-Jährige heute noch mit so viel Leidenschaft für behinderte, kranke und benachteiligte Kinder unterwegs ist - die Antwort auf diese Frage lässt den Zuhörer schlucken, wenn Borsdorff sie erzählt. „Peter, lauf weiter für die Kinder. Das war einer der letzten Sätze, die meine Frau mir gesagt hat”, so der Witwer. Kurz bevor Doris Borsdorff vor knapp sechs Jahren ihren langen Kampf gegen den Krebs verloren hat, gab sie ihrem Mann diesen Auftrag mit auf den Weg. Seit dem gibt Borsdorff noch mehr Gas.

Im vergangenen Jahr stellte er einen Sammel-Rekord auf mit 72.000 Euro. 2011 sind bisher schon über 80.000 Euro zusammen gekommen. Drei Stunden pro Tag ist der Dürener im Namen seiner Aktion tätig. Verwaltungsgebühren fallen keine an, jeder Cent kommt einem Kind zugute.

Öffentlichkeitsarbeit ist immer wichtiger geworden. „Es geht mir überhaupt nicht darum, mein Gesicht in der Zeitung zu sehen”, sagt er mit energischem Tonfall. Den Vorwurf kennt Borsdorff. „Ich will, dass die Leute, die meine Aktion unterstützen, wissen, was mit ihrem Geld geschieht.”

Die Artikel sammelt Borsdorff und heftet sie neben seine Spendenprotokollen ein. 957 dieser Protokolle gibt es mittlerweile. Jedes mal schreibt der ehemalige Personalleiter die Telefonnummer der Empfänger dazu. „Falls mal jemand kommt und überprüfen will, was mit dem Geld passiert ist, kann er anrufen und fragen”, begründet der Läufer.

Dass Peter Borsdorff häufig in der Zeitung zu finden ist, zahlt sich für die Aktion aus. Der 68-Jährige ist mittlerweile in der gesamten Region von Erkelenz bis Monschau so bekannt, dass ihn hin und wieder bemerkenswerte Telefonanrufe erreichen. „Neulich rief mich eine Frau an und sagte, dass ihr Vater gestorben sei. Die Familie, die ich vorher nicht kannte, hatte sich entschieden, die Trauergäste zu bitten, auf Grabschmuck zu verzichten und stattdessen für meine Aktion zu spenden”, weiß er zu berichten. „Das ist nicht zum ersten Mal passiert.”

Das gilt auch für die Spende eines Dürener Geschäftsmannes, der auf der Einladung zur Feier seines 60. Geburtstages darum gebeten hatte, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen an „Running for kids” zu spenden.

Mit Hilfe der Medien hat Borsdorff schon etliche Spendenaufrufe gestartet. „Mich erreichen immer wieder Anfragen von Menschen, die dringend Unterstützung brauchen”, sagt der Rentner. Borsdorff nutzt dann alle Kanäle, um schnellstmöglich Geld aufzutreiben. Geld für eine Familie in der Eifel kam mit Hilfe unserer Zeitung zusammen. Das rollstuhlgerechte Auto war kaputt, die Familie brauchte ein neues und konnte dieses dank „Running for kids” auch kaufen.

Rekorde bedeuten ihm wenig

Am Wochenende ist Peter Borsdorff wieder einmal unterwegs. Diesmal sammelt er Geld beim Rursee-Marathon. „Samantha, wir schaffen das” heißt die aktuelle Aktion, mit der der Läufer ein leukämiekrankes Mädchen unterstützt. „Auf gehts, kleine Lena”, oder „Nadine, ein Lächeln für sie” hießen die Slogans zuvor. „Im Moment liegen mir 13 Anfragen vor, für die ich Geld sammeln werde”, sagt Borsdorff.

Und obwohl ihm Zahlen und Rekorde nicht viel bedeuten, hat sich der Dürener ein neues Ziel gesteckt. „Bei 511.292 Euro habe ich einen weiteren Meilenstein erreicht”, sagt der Läufer mit der roten Sammeldose und lächelt ob des ahnungslosen Gesichtsausdrucks seines Gegenübers. „Das wäre früher eine Millionen Mark gewesen. Als ich angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass die Aktion einmal so erfolgreich sein würde.”