Aachen / Jülich / Köln: Pedelec-Test in der Städteregion: Massive Mängel

Aachen / Jülich / Köln : Pedelec-Test in der Städteregion: Massive Mängel

Ob auf der Vennbahn, rund um den Rursee oder in der Teverener Heide — an den Pedelecs kommt man nicht nur auf diesen Radwegen kaum noch vorbei. 380.000 Elektrofahrräder wurden nach Branchenangaben im vorigen Jahr bundesweit verkauft, 15 Prozent mehr als noch 2011. Doch wer meint, auf jeden Fall sicher im Sattel zu sitzen, kann sich irren.

Erst am Dienstag hatten der ADAC und die Stiftung Warentest die Ergebnisse eines Test von 16 Pedelecs veröffentlicht. Dabei war mehr als die Hälfte wegen Sicherheitsmängeln durchgefallen. Rahmen- und Lenkerbrüche sowie unzureichende Bremsen werden in den Testberichten unter anderem moniert.

Am Mittwoch nun hat die Kölner Bezirksregierung Alarm geschlagen: Bei Kontrollen in 15 Fahrradgeschäften in der Städteregion Aachen, Jülich und Köln seien an Elektrofahrrädern „teilweise gravierende Mängel festgestellt worden, die für die Benutzer lebensgefährlich sein können“, sagt Freia Johannsen, Sprecherin der Kölner Bezirksregierung, und führt aus, dass viele Händler mit Erstaunen auf die Ergebnisse reagiert hätten. „Die Händler kaufen ein und denken, dass alles in Ordnung ist.“ Ein Trugschluss — manchmal.

So sei etwa bei zwei Klapp-Pedelecs eines Aachener Händlers nach nur fünf Kilometern auf dem Prüfstand das Vorderrad gebrochen, erläutert Johannsen. Die Bremswirkung an diesem Vorderrad sei nur für ein zulässiges Gesamtgewicht von maximal 60 Kilogramm ausgelegt, angegeben worden seien aber 105 Kilogramm. Die Folge: eine Rückrufaktion. Der Händler hatte die Pedelecs von einem niederländischen Hersteller erworben. Er darf sie nicht mehr verkaufen und muss die bisherigen Käufer schriftlich über die Mängel informieren. „Die Käufer können die Pedelecs an den Händler zurückgeben“, betont die Sprecherin.

Ein anderer Aachener Händler bot Pedelecs aus China an. Die CE-Konformitätserklärung, die die Sicherheit bescheinigen sollte, war ungültig. Der Importeur, der die Räder an den Händler verkauft hatte, musste nun bundesweit 1000 Pedelecs zurückrufen. Von der Rückrufaktion betroffen war auch die Aachener Stadtverwaltung, die seit September 2011 sechs Dienst-Pedelecs im Einsatz hatte. „Wir hatten nie Probleme, alles lief wunderbar. Inzwischen wurde die komplette Pedelec-Flotte jedoch ausgetaucht“, sagt Stadtsprecher Axel Costard.

Auch in Jülich wurden die Prüfer der Bezirksregierung fündig. Ein Händler hatte aus einem normalen Trekkingrad und einem Nachrüstsatz ein Pedelec zusammengebaut. Aber: Die notwendige Risikobewertung und technischen Unterlagen konnten nicht vorgelegt werden. Die Folge: Der Händler musste das Pedelec auf ein normales Trekkingrad zurückbauen.

„Das sind erschreckende Ergebnisse“, bilanziert Johannsen und kündigt weitere Kontrollen in den nächsten Wochen an. Einige Händler müssen jetzt bereits mit Konsequenzen leben — so kommen etwa Prüfkosten und Bußgelder auf sie zu. Gegen einen Händler aus Köln wurde gar ein Strafverfahren wegen Widerstand gegen Polizeibeamte eingeleitet — er wollte partout verhindern, dass ein Pedelec zur Prüfung mitgenommen wurde. Vergeblich.

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