Paul van Vliet wird mit Martin-Buber-Plakette ausgezeichnet

Verdienste um die Menschlichkeit : Martin-Buber-Plakette für Paul van Vliet

Sich für andere Menschen einzusetzen, sei der Sinn des Lebens. Zu diesem klaren Schluss kam Almaz Böhm-Teshome in ihrer Laudatio für den diesjährigen Träger der Martin-Buber-Plakette.

Zugleich machte die ehemalige Schirmherrin der Stiftung „Menschen für Menschen“ damit deutlich, aus welchem Grund die Auszeichnung am Freitagabend in Kerkrade gerade an den niederländischen Kabarettisten Paul van Vliet verliehen wurde. Denn dessen Lebenswerk auf und abseits der Bühne sei beispielhaft für das, was sie als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit verstehe: Ungleichheit zu bekämpfen und den Menschen aller Kulturen dieser Welt mit Respekt zu begegnen.

„Mit 83 Jahren kann Paul van Vliet auf ein witterungsbeständiges Leben zurückblicken als jemand, der für sich ausgemacht hat, was gut und was schlecht ist“, sagte sie. Und als Unicef-Botschafter trete er seit immerhin mehr als 27 Jahren für ein Recht auf Nahrung, Schutz und Zuflucht für alle Kinder ein, was aber immer noch zu vielen verwehrt bleibe. „Es ist pervers, dass in Teilen dieser Welt die Leute an ihrem Reichtum ersticken, während anderswo die Menschen verhungern.“

Es sei diese schreiende Ungleichheit gewesen, die ihn habe nachdenklich werden lassen, erinnerte sich van Vliet. „Ich befand mich in einer Zeit meines Lebens, in der ich mehr bewirken wollte, als nur an meiner Bühnenkarriere zu arbeiten.“ Als Botschafter des UN-Kinderhilfswerks besucht er seither in die ärmsten Regionen dieser Welt, um dort Hilfsprojekte anzustoßen und den Kindern Mut zu machen. Am meisten hätten ihn auf all den Reisen immer wieder eben diese jungen Menschen beeindruckt – in fröhlichen wie auch in traurigen Momenten.

Fröhlich dann, als er etwa in Bangladesch den sechsjährigen Jewel kennen lernte, der in einer Fabrik schuftete, um seiner Familie zu helfen. Der dann aber, ermutigt durch viele Gespräche mit van Vliet, eine Ausbildung zum Schreiner gemacht hat und heute seinen eigenen Betrieb leitet. An der Tür zu der kleinen Schreinerei hänge noch immer jenes vergilbte Foto von seinem ersten Besuch vor vielen Jahren, auf dem Jewel lachend auf seinen Schultern sitze, berichtete der Kabarettist.

Doch dann gebe es eben auch jene Orte wie die Goldminen von Burkina Faso, wo er noch nie ein einziges lachendes Kind gesehen habe. „Dann und wann fällt es mir manchmal schwer, in die verwöhnten Niederlande zurückzukehren mit ihren kleinlichen Streitereien, den Hass-Mails und den Selbstgefälligkeiten. Meinen Optimismus habe ich deswegen aber nie verloren“, sagte van Vliet.

Es ist diese für ihn typische Mischung aus Direktheit und Humor, die auch sein künstlerisches Lebenswerk zum festen Inventar seiner niederländischen Heimat haben werden lassen. Unvergessen sind seine Lieder wie „Meisjes van dertien“, „De Zee“ oder „Vlaanderen“, das zur inoffiziellen Hymne der belgischen Region Flandern geworden ist. Mit seinen Bühnenwerken und dem unermüdlichen Einsatz für Kinder habe sich Paul van Vliet die Auszeichnung mit der Martin-Buber-Plakette als ein „Symbol der Mitmenschlichkeit“ mehr als verdient, wie Werner Janssen sagte, der Intendant der Euriade, welche den Preis jedes Jahr verleiht. Van Vliet stieß darauf zum Ende seiner Rede mit dem Publikum an. Mit Wasser, dem Symbol für das Leben.

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