Aachen: Paar wegen sexuellen Missbrauchs erneut vor Gericht

Aachen: Paar wegen sexuellen Missbrauchs erneut vor Gericht

Am Freitag hat der Prozess gegen ein Paar begonnen, dem bis zu 156 Fälle sexuellen Missbrauchs an der minderjährigen Tochter der Angeklagten vorgeworfen werden.

Bereits im Jahr 2016 waren der Aachener Kunstschmied Dieter H. (damals 55 Jahre alt) und seine Lebensgefährtin Michaela O. (damals 43 Jahre) vom Aachener Landgericht zu Gefängnisstrafen von drei für ihn und zu zwei Jahren und neun Monaten Haft für sie verurteilt worden: In dem ersten Prozess verurteilte die Kammer Dieter H. unter anderem wegen Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie.

An der in den Jahren 2010 und 2011 verübten sexuellen Ausbeutung der erst neunjährigen Tochter von Michaela O. waren allerdings laut Gerichtsurteil, das am Freitag von der Vorsitzenden Richterin Regina Böhme verlesen wurde, beide Angeklagten gleichermaßen beteiligt.

Bereits 2016 erschienen die Leiden des Mädchens ungeheuerlich und als Ausdruck einer besonders infamen Handlungsweise. Weil Dieter H. aktiv in kinderpornografischen Tauschbörsen chattete, gelangte er schnell an Interessenten. Es war ein Pädophiler aus Basel, der im Jahr 2010 eigens aus der Schweiz anreiste, um das Mädchen in der Aachener Wohnung von H. gegen Entgelt — er zahlte 400 Euro — sexuell missbrauchen zu können. Die Mutter und der Lebensgefährte sahen dabei zu.

Doch das Martyrium, das das Mädchen seit Oktober 2008 — damals war es gerade sieben Jahre alt — bis hin zu seiner späteren „Vermietung“ erdulden musste, kam in diesem ersten Verfahren nicht umfänglich zur Sprache. Das Mädchen selber wurde in dem Prozess nicht gehört. Dies ist dann eine gängige Praxis, wenn die Angeklagten geständig sind und damit dem Opfer den Auftritt vor Gericht ersparen.

Nicht weit genug

Dem heute 17-jährigen Opfer ging das Urteil aus dem Jahr 2016 jedoch nicht weit genug, deshalb kommt es nun zu einem neuen Prozess vor dem Aachener Landgericht. Zum Auftakt zeigte sich die Mutter des Opfers teilweise geständig. Über ihren Verteidiger ließ sie erklären, dass viele der Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift erhebt, zutreffend seien. Genauere Einlassungen kündigte sie für den nächsten Verhandlungstag an. Dann soll auch die Tochter vom Gericht angehört werden.

Der Prozess wird am Freitag, 17. August, fortgesetzt.

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