Ordensgründerin Clara Fey wird in Aachen seliggesprochen

Aachen : Ein Fest: Die Seligsprechung von Clara Fey im Aachener Dom

Clara Fey — oder „klarer Fall“? Als Armin Laschet, Aachener und NRW-Ministerpräsident, bei seinem Grußwort während des Hochamtes zur Seligsprechung der Ordensfrau im Dom vom Clara-Fey-Kindergarten und von seiner Tochter erzählt, die das Wortspiel geprägt hat, wird gelacht und applaudiert.

Clara Fey (1815-1894) hat sich in Zeiten, als die Kinder Opfer der Frühindustrialisierung wurden, diesen Ärmsten der Armen zugewandt. Die Seligsprechung ist ein Anlass, das Wirken der von ihr gegründeten Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus in zwölf Ländern zu beleuchten. Wie stark ihr Vermächtnis weiterlebt, bestätigen Ordensleute aus Indonesien, Lettland, Spanien, Österreich, Peru, England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Kolumbien.

Der Trubel rund um den Dom schweigt, sobald man das Bauwerk betritt. Die Kerzen des Barbarossaleuchters brennen, der Blumenschmuck in Rosa-Weiß ist üppig, das Lotharkreuz wurde aus der Domschatzkammer geholt und das Gnadenbild trägt ein Kleid aus einer Paramentenstickerei des Ordens. Herren des Ehrendienstes tragen eine kleine, graue Metalltruhe, rote Seidenbänder, vier bischöfliche Siegel: Vor dem Altar werden die Gebeine von Clara Fey abgestellt. Bis dahin waren sie in der Bischofsgruft (seit 2012) beigesetzt. Nach der Seligsprechung kommen sie an ihren Verehrungsort, die neue Kind-Jesu-Kapelle an der Jakobstraße.

Prominent besetztes Hochamt

Im Rahmen eines prominent besetzten Hochamtes, an dem neben der Aachener Geistlichkeit Vertreter des Bistums Roermond, aus Kolumbien, Indonesien und Kasach-stan teilnehmen, dann die ersehnte Verlesung des päpstlichen Schreibens vom 23. April 2018 durch Kardinal Amato, der Hauptzelebrant ist. Zuvor hat Bischof Helmut Dieser rituell die Bitte um Seligsprechung geäußert.

Von Generaloberin Henriette Mensen gibt es ein paar Worte über Clara Fey — sie selbst im dunkelblauen Kostüm, denn seit 1996 können die Ordensfrauen bestimmen, wie sie sich kleiden. Lieder, Gebete, Gedanken an den „Lichtstrahl der Nächstenliebe“ — Clara Fey.

„Heute geht für das Bistum ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung“, bringt es Dieser auf den Punkt. Da weht mit üppigem Weihrauch der Geist des Vatikans durch den Dom, Fürbitten und Lesung erklingen mehrsprachig. „Clara schaut uns an“, sagt Dieser zum Abschluss. „Sie hatte ein Lächeln für alle.“ Er, die Generaloberin und Postulator Andrea Ambrosi erhalten eine Ausfertigung des päpstlichen Schreibens.

Wer im Dom keinen Platz findet, kann die Zeremonie auf einer Großbildleinwand vom Katschhof aus verfolgen — die 1600 Stühle sind besetzt. Für Begleitung sorgt Pfarrer Christoph Stender, Geistlicher Rektor des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. „Eine wunderbare Atmosphäre, eine starke Gemeinschaft“, schwärmt er später.

Und das scheint gleichfalls für ein Fest mit Fritten und Gulaschsuppe zuzutreffen, wie es der Münsterplatz selten gesehen hat. Da wirbeln fröhliche Künstler über die Bühne, ob nun die Big Band des Bischöflichen Gymnasiums Geilenkirchen, eine indonesische Tänzerin (Schwester Paula Rita) in gold-gelb-bunter Kleidung, die marokkanische Trommlerin Fatima aus Heinsberg oder der swingende Eltern-Schüler-Chor des Clara-Fey-Gymnasiums aus Schleiden sowie engagierte Akteure des Musicals über Clara Fey“ von der Domsingschule Aachen.

Inzwischen können die Reliquien Clara Feys im Dom verehrt werden. Nur Ordensfrauen erhalten von Helferinnen vor dem Schrein weiße Stoffhandschuhe. So dürfen sie (fast) Tuchfühlung mit der seligen Clara aufnehmen.

(dpa/red)