Kerkrade: Oranje gegen Jogis Elf: Kerkrade ist gewappnet

Kerkrade: Oranje gegen Jogis Elf: Kerkrade ist gewappnet

Es wäre irgendwie schade um Oranje. Es wäre so schade um die zigtausend munteren Fähnchen in den Straßen, die Fahnen an den Häusern, auf denen das niederländische Wappentier, der Löwe, noch selbstbewusst brüllt.

Die verspielte Oranje-Welt der begeisterten Fußballfans in der niederländischen Grenzstadt Kerkrade sieht keine Enttäuschung vor.

Die 0:1-Niederlage gegen Dänemark, eine Schmach. Eric Conraads ist sauer: „Unsere Fußball-Millionäre gehen aufs Spielfeld und denken nur darüber nach, wo sie sich nächste Woche ein neues Häuschen kaufen.” Das Spiel am Mittwoch gegen die Deutschen ist die letzte Chance: „Da gehts um alles oder nichts.”

Conraads ist die personifizierte Provokation. Deutschland-Fähnchen hängen an seiner Büro-Tür. Schwarz-Rot-Gold in Billigversion. Die Deutschen, die haben aus seiner Sicht den richtigen Biss. „Wenn der deutsche Trainer sagt, geht raus und fresst Gras, dann gehen die Spieler raus und fressen Gras. Wenn das der holländische Trainer sagt, fragen die erst einmal, warum.”

Der Mann glaubt, ein bisschen was von der deutschen Mentalität zu kennen. Er arbeitet mit Deutschen Tür an Tür, im Eurode Business Center. Da läuft die Grenze mitten durchs Gebäude: links die Deutschen, rechts die Niederländer. Conraads sitzt als Holländer trotzdem auf der linken Seite - also bei den Deutschen. Da macht man so seine Erfahrungen. Wenn es am Mittwoch gegen das Löw-Team um alles oder nichts geht, weiß er aber, wo er hingehört: „Dann bin ich 100 Prozent Oranje.”

Oranje. An der berüchtigten Neustraße halten sich die Anwohner auf beiden Seiten mit Sympathiebekundungen zurück. Sie wollen keinen Ärger. Neustraße sagen die Deutschen, die auf der einen Seite der Straße leben. Nieuwstraat sagen die Holländer - hier sagt kaum einer politisch und sprachlich korrekt „Niederländer”.

Die Neustraße hat seit den 80er Jahren eine traurige Geschichte. Wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen das Oranje-Team antrat, gab es dort Schlägereien zwischen gegnerischen Anhängern, die zum Randalieren angereist waren. Herzogenrather und Kerkrader hatten nichts damit zu tun.

Mit den Jahren ebbte die Randale ab. „Aber kleinere Scharmützel gab es immer wieder”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Aus diesem Grund sperrt die Polizei die Straße am Mittwoch 15 Minuten vor Spielende für Privatfahrzeuge. Anwohner müssen ihre Ausweise vorzeigen. Die Stadt Kerkrade hatte für diese Regelung extra eine Notverordnung erlassen müssen.

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