Onlinehandel boomt: Immer mehr Drogen aus dem Netz

Onlinehandel boomt : Immer mehr Drogen aus dem Netz

Der illegale Handel mit Betäubungsmitteln verlagert sich nach Angaben des NRW-Innenministeriums immer mehr ins Internet. Demnach registrierte die Polizei 2018 doppelt so viele Fälle wie 2017. So stieg die Zahl innerhalb nur eines Jahres von 3061 auf 6149. Die Dunkelziffer dürfte Experten zufolge wesentlich höher liegen.

Die Täter im Bereich des Online-Drogenhandels entsprechen laut Innenministerium nicht mehr dem Typ des klassischen Dealers. „Onlinehändler sind häufig überdurchschnittlich gebildet, haben einen IT-Bezug und agieren wie Kaufleute“, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums. Das gleiche gelte für die Käufer. Je höher der Bildungsgrad, desto größer sei die Tendenz zum Kauf im Internet.

Den zunehmenden Onlinehandel führen Sicherheitsbehörden darauf zurück, dass der Online-Kauf sehr leicht sei und anonym erfolge. Tatsächlich kann jeder mit wenigen Klicks und Eingaben ganz einfach Drogen im Internet bestellen, wie ein Test unserer Redaktion ergeben hat. Dafür muss man noch nicht einmal ins sogenannte Darknet. „Theoretisch könnte jedes Kind von seinem Zimmer aus spielend leicht Drogen nach Hause bestellen“, sagt ein Polizist.

Besonders häufig wird im Internet mit Cannabis gehandelt. Das deckt sich auch mit Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2018, wonach von den insgesamt 67.797 erfassten Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz 42.874 Cannabisdelikte waren. Dies entspricht einem Anteil von 63 Prozent. Bei der Polizei betont man, dass das Cannabis von heute aufgrund der Zusammensetzung nichts mehr mit dem aus dem vergangenen Jahrhundert zu tun hätte – und dementsprechend gefährlicher für die Gesundheit sei. So stellte das LKA eine deutliche Erhöhung des Wirkstoffgehalts Tetrahydrocannabinol (THC) fest.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lehnt die Legalisierung der Droge ab. „Eine Freigabe von Cannabis ist mit mir nicht zu machen. Von den Befürwortern wird da immer vom Recht auf Rausch geredet, aber das ist schlicht Blödsinn und verharmlosend“, sagte Reul unserer Redaktion. Gerade für junge Menschen sei der Konsum schädlich und führe zu Psychosen und Persönlichkeitsstörungen.

Mehr von Aachener Nachrichten