Offenbar Batteriedefekt: Post legt hunderte Streetscooter still

Nach zwei Bränden : Rund 460 Streetscooter vorläufig aus dem Verkehr gezogen

Nach Bränden bei zwei Elektro-Lieferwagen vom Typ Streetscooter hat die Deutsche Post als Eigentümerin des Aachener Autobauers rund 460 der Fahrzeuge zeitweilig aus dem Verkehr gezogen.

Im November 2018 waren in Singen (Baden-Württemberg) und Teuchern (Sachsen-Anhalt) zwei der Elektro-Lieferwagen aus der Post-Flotte in Brand geraten. Daraufhin musste der Konzern Anfang Januar rund 460 der Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch nach einem entsprechenden Bericht des ARD-Magazins „Plusminus“.

Auslöser der Brände seien „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht durchgeführte Verbindungsschweißungen in den Traktionsbatterien gewesen, sagte ein Postsprecher in Bonn. Der Fehler soll nicht bei der Montage der Fahrzeuge entstanden sein, sondern bei einem Vorlieferanten. Die Halter aller potenziell betroffenen Fahrzeuge seien direkt informiert worden. Alle anderen Kunden müssten sich keine Sorgen machen, betonte der Sprecher. Man habe den Fehler „schnell identifiziert worden und für die Zukunft ausgeschlossen“.

Bei den Vorfällen waren keine Personen zu Schaden gekommen, jedoch wurden Sendungen zerstört. Bei den ausgebrannten Fahrzeugen handelte es sich um zwei des Modells „Work L“, Baujahr 2018. Die 460 Fahrzeuge, bei denen der Verdacht bestand, sie könnten ähnliche Produktionsfehler aufweisen, seien nach den Vorfällen vorsorglich aus dem Verkehr gezogen, sagte ein Sprecher. Doch hätten die Überprüfungen bisher keine weiteren Mängel ergeben. Die ersten überprüften Fahrzeuge seien auch schon wieder auf den Straßen unterwegs.

Mittlerweile sind mehr als 10.000 der in Aachen entworfenen Lieferwagen für die Post und andere Unternehmen, Behörden und Institutionen im Einsatz. Foto: Armin Weigel

Die Elektrofahrzeuge haben ihre Wurzeln in Aachen. Hier wurde die Streetscooter GmbH 2010 aus der RWTH heraus gegründet. 2014 wurde sie eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Post DHL Group. 2015 startete die Serienproduktion in Aachen, 2017 der Verkauf von Fahrzeugen an Drittkunden. Im vergangenen Jahr kamen zwei weitere Produktionsstandorte in Düren und Köln hinzu. Der „Work L“ wird in Düren montiert. Insgesamt hat die Post derzeit rund 9000 Streetscooter in ihrer Flotte. Noch in diesem wollte der Konzern die Zahl auf 15.000 erhöhen. Daran soll sich trotz der Vorfälle nichts ändern.

Achim Kampker, Mitgründer und noch Chef der Streetscooter GmbH, beeilte sich am Mittwoch zu betonen: „Der Streetscooter ist und bleibt ein sicheres Elektrofahrzeug.“ Der Gründer des Lehrstuhls „Produktionstechnik für Komponenten der Elektromobilität“ an der RWTH wird Anfang April von dem Automanager Jörg Sommer an der Streetscooter-Spitze abgelöst und soll sich dann im Unternehmen um Innovationen kümmern. Post-Chef Frank Appel hatte in der Vergangenheit immer wieder erklärt, der Konzern sei bei Streetscooter offen für Kooperationen mit anderen Autokonzernen, schließe aber auch einen Börsengang oder den Einstieg eines Finanzinvestors nicht aus. Klar ist: Die Post sieht sich nicht dauerhaft als Autohersteller. Gewinne macht sie mit der Streetscooter-Tochter noch nicht.

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