Wissenschaftliches Großprojekt: Oberirdischer Prototyp für unterirdisches Einstein-Teleskop

Wissenschaftliches Großprojekt : Oberirdischer Prototyp für unterirdisches Einstein-Teleskop

Die niederländische Provinz Limburg stellt weiter die Weichen, um eines der begehrtesten wissenschaftlichen Wns Dreiländereck zu holen: das Einstein-Teleskop. Die Entscheidung darüber wird auf europäischer Ebene wohl erst im Jahr 2021 fallen, aber die Vorbereitungen sind längst in vollem Gange.

Die Europäische Union hat jetzt beschlossen, dass ein Prototyp der geplanten unterirdischen Anlage in Limburg gebaut wird, 14,5 Millionen Euro teuer und ET Pathfinder genannt.

Die EU stellt dafür selbst vier Millionen Euro zur Verfügung, die Provinz Limburg weitere 3,5 Millionen Euro, der Rest soll durch andere Projektpartner finanziert werden, wie die Tageszeitung „De Limburger“ berichtet. In diesem Prototyp, der oberirdisch an einem noch zu bestimmenden Ort im Grenzland errichtet wird, sollen in zwei ungefähr 20 Meter langen Röhren neue Techniken für das Einstein-Teleskop getestet und optimiert werden.

Die Kosten für das eigentliche Einstein-Teleskop werden auf rund eine Milliarde Euro geschätzt, rund 1000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze würden geschaffen. Es soll in drei Tunneln, die jeweils zehn Kilometer lang sind, rund 200 Meter unter der Erde gebaut werden. Durch die Gravitationswellen-Detektoren will man Einblick in die Frühzeit des Universums erhalten. Die größten Konkurrenten der Region Aachen-Maastricht-Lüttich sind Sardinien und ein Gebiet bei der ungarischen Hauptstadt Budapest. „ET Pathfinder“ wird aber laut niederländischen Medien auf alle Fälle im Grenzland erbaut, unabhängig von der endgültigen Standortentscheidung für das Einstein-Teleskop.

Erste Untersuchungen ergaben, dass die Bodenbeschaffenheit im limburgischen Hügelland, etwa unter dem Vaalser Berg, bestens für die Ansiedlung der wissenschaftlichen Großeinrichtung geeignet ist, für weitere Bohrungen und Auswertungen stellt die Provinz Limburg weitere 1,6 Millionen Euro bereit. Von der Ansiedlung erwarten die Verantwortlichen der Provinz Limburg auch starke wirtschaftliche und innovative Impulse. Gouverneur Theo Bovens sprach bei der Bewerbung um das Projekt sogar davon, dass das Einstein-Projekt einen ähnlichen Effekt für die Region haben könne wie der Vertrag von Maastricht, die die Einführung des Euros besiegelte.

Die Chancen dafür werden auch dadurch verbessert, dass die Universität Maastricht und das federführende niederländische Untersuchungsinstitut Nikhef in Amsterdam jetzt einen Kooperationsvertrag zur Gründung eines Instituts für „Gravitational Research“ unterzeichnet haben. Dieses neue Institut wird der Fakultät Science und Engineering in Maastricht angegliedert und soll mit Universitäten in Deutschland und Belgien zusammenarbeiten.

Auch an der RWTH Aachen bereitet man sich, wie berichtet, auf das Einstein-Teleskops vor. Die in der Euregio damit beschäftigten Wissenschaftler sollen Zugang zu den schon bestehenden ähnlichen Einrichtungen in Italien und den USA bekommen. Die Provinz Limburg fördert die Einrichtung des Instituts mit einer halben Million Euro.

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