Aachen: Nur mal kurz an der Schule parken? Häufig sehr gefährlich!

Aachen : Nur mal kurz an der Schule parken? Häufig sehr gefährlich!

Die Gefahr war schon greifbar. Britta Slupina-Oellers, Schulleiterin der Grundschule am Aachener Lousberg, erinnert sich noch gut: „Eine Mutter, die vor der Schule geparkt hatte, fuhr ohne einen Blick in den Rückspiegel los. Dabei hätte sie fast ein Mädchen, das hinter ihrem Auto stand, erwischt.“

Eine Situation, bei der zum Glück keiner verletzt wurde, die aber deutlich macht: Um die Sicherheit der Kinder auf ihrem Weg in und aus der Schule heraus gewährleisten zu können, sollten nicht nur die Grundschüler konkreter mit dem Thema Verkehrssicherheit in Berührung kommen, sondern auch die Eltern mit ins Boot geholt werden.

Unfälle vor der Schule oder auf dem Weg dorthin sind jedes Jahr aufs Neue ein Problem, dem die Polizei versucht entgegenzuwirken. So habe sich gezeigt, dass Projekte zur Verkehrssicherheit Auswirkungen auf die Unfallzahlen haben, die Kooperationen mit Kindergärten und Schulen müssten aber beständig fortgeführt werden, um langfristig erfolgreich zu sein, heißt es etwa bei der Aachener Polizei. Die Zahl der Schulwegunfälle in ihrem Bereich der Städteregion konnte 2015 laut Verkehrsunfallstatistik im Vergleich zu 2014 von 39 auf 24 verringert werden. Im darauffolgenden Jahr ging die Zahl um weitere drei zurück, um dann 2017 wieder auf 29 anzusteigen.

Gerade im Nordkreis Aachens seien die Zahlen im vergangenen Jahr angestiegen, weswegen die Polizei hier ihre Maßnahmen intensivieren wolle. Beispiele sind Projekte wie „Hell fällt auf“ oder Programme der „Verkehrszähmer“. Bei Ersterem werden gelbe Warnwesten an die Schüler verteilt und den Kindern erläutert, worauf sie in der dunkleren Jahreszeit im Straßenverkehr achten müssen, um gesehen zu werden. Die „Verkehrszähmer“ sind ein NRW-weites Projekt, welches unter anderem Sicherheits- und Bordsteintraining für Kinder anbietet und Eltern dazu animiert, Kinder zu Fuß zur Schule zu begleiten, statt mit dem Auto zu fahren.

Den Weg zu Fuß zu bestreiten, falls das möglich ist, sei für Kinder eine sehr wichtige Erfahrung, weiß auch Schulleiterin Bettina Slupina-Oellers. Das größte Problem sei nämlich, dass einige Eltern nicht die speziell gekennzeichneten Parkplätze in der Nähe der Schule nutzen würden, sondern ihre Kinder direkt vor dem Schultor ausladen oder auf den für Lehrer vorgesehenen Parkplätzen stehenbleiben würden. Kinder, die zu Fuß Richtung Schultor laufen, würden so schnell von den Autofahrern übersehen.

Slupina-Oellers hat deswegen in Zusammenarbeit mit dem Verkehrspolizisten Alexander Dorschu das Projekt der „Denk- und Dankzettel“ eingeführt. Im Vorhinein werden dafür mit ausgewählten Schülern der dritten und vierten Klassen alle Verkehrsregeln besprochen und erläutert, wo geparkt werden darf und wo nicht.

Je nachdem wie viel Zeit zur Verfügung steht, sammeln sich die Kinder dann zum Beispiel eine Woche lang eine halbe Stunde vor Schulbeginn und verteilen an die ankommenden Eltern Dankzettel, wenn sie richtig stehen und Denkzettel, wenn sie falsch parken. „Viele reagieren dann sehr einsichtig. Es gibt aber auch einige, die sogar den Kindern gegenüber ausfallend werden, weil sie sich bloßgestellt fühlen“, sagt Slupina-Oellers.

An der Grundschule im Aachener Stadtteil Richte­rich gibt es mittlerweile sogar einen sogenannten Kickboard-Parkplatz, um Kindern den Weg Schulweg ohne Auto schmackhafter zu machen. „Viele wohnen in der Nähe und kommen am liebsten mit ihren Tretrollern“, sagt die kommissarische Schulleiterin Claudia von den Hoff. Damit diese nicht die Flure blockieren würden, habe man einen eigenen Parkplatz für Kickboards geschaffen.

Das Problem mit falsch parkenden Autos gebe es aber auch hier. Zwar habe man außerhalb der Innenstadt mehr Platz, viele Eltern hielten aber nicht auf den gekennzeichneten Elternhaltestellen, sondern direkt vor der Schule. Mit Hilfe eines Verkehrspolizisten werde deshalb für die Erstklässler die „Bürgersteigprüfung“ durchgeführt und auch hier an Eltern „Denk- und Dankzettel“ verteilt.

Bettina Slupina-Oellers hofft auch in diesem Jahr auf mehr Einsicht der Eltern. „Ich verweise in vielen Elternbrief auch das ganze Schuljahr über auf die Regeln beim Parken.“ Ob es in diesem Jahr besser wird?