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Dunkelfeldstudie: Nur jede vierte Körperverletzung wird angezeigt

Dunkelfeldstudie : Nur jede vierte Körperverletzung wird angezeigt

Offiziell bewegt sich die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Aber wie sieht es mit dem sogenannten Dunkelfeld aus, also den Straftaten, die nicht angezeigt werden? Das haben Forscher nun untersucht.

Nur jede vierte Körperverletzung und etwa jede hundertste Beleidigung wird angezeigt und damit der Polizei bekannt. Das sind Ergebnisse der großen Dunkelfeldstudie zu Gewalt und Kriminalität in Nordrhein-Westfalen, die am Montag in Düsseldorf vorgestellt wurde. NRW-Innenminister Herbert Reul und Heimatministerin Ina Scharrenbach (beide CDU) hatten die Studie in Auftrag gegeben. Gekostet hat sie eine halbe Million Euro.

Forscher hatten 60.000 repräsentativ ausgewählte Bürger über 16 Jahre in NRW angeschrieben, um mehr über das Ausmaß der Kriminalität in NRW zu erfahren. Dabei geht es um das sogenannte Dunkelfeld, also die Taten, von denen die Strafverfolger nichts erfahren. Im Gegensatz dazu findet das sogenannte Hellfeld, also die angezeigten Straftaten, seinen Niederschlag in der Kriminalitätsstatistik.

Aus der Studie geht hervor, dass sich die meisten Menschen in NRW sicher fühlen – tagsüber mehr als nachts. Dieses Sicherheitsgefühl hängt allerdings weniger vom tatsächlichen Risiko ab, Opfer einer Straftat zu werden, als von der Zufriedenheit mit der eigenen Wohngegend und einer intakten Nachbarschaft. Müll auf der Straße, Graffiti, Beschädigungen, Lärm und öffentliche Streitereien verursachen ein Gefühl von Unsicherheit.

Zudem fühlen sich Frauen nachts im öffentlichen Raum deutlich unsicherer als Männer. Während zum Beispiel 13 Prozent der Frauen fürchten, sexuell belästigt zu werden, sind es nur 4 Prozent der Männer.

Gaben die Studie in Auftrag: NRW-Innenminister Herbert Reul und Heimatministerin Ina Scharrenbach. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (58 Prozent) war der Studie zufolge in ihrem Leben schon von Gewalt betroffen - dazu zählen die Forscher allerdings auch psychische Gewalt und somit schon eine einfache Beleidigung. Solche Beleidigungen werden am seltensten angezeigt. Auch Bedrohungen finden in fast 90 Prozent der Fälle keinen Eingang in die offizielle Kriminalitätsstatistik.

Wenig überraschend: Die Bereitschaft, Straftaten anzuzeigen, wächst mit ihrer Schwere: Wird eine Gewalttat mit einer Waffe verübt, kommt sie in 40 Prozent der Fälle zur Anzeige. Beim Raub liegt die Quote immerhin bei 45 Prozent.

Die Gründe für das Nichtanzeigen von Straftaten sind zahlreich: In mehr als 61 Prozent hielten die Betroffenen die Taten für nicht schwerwiegend genug. In gut jedem fünften Fall wurde die Angelegenheit privat geregelt.

Jeder Vierte scheut ganz einfach den Aufwand und geht nicht davon aus, dass die Tat aufgeklärt wird, zum Beispiel, weil nach eigener Einschätzung die Beweise fehlen. Schlechte Erfahrungen mit der Polizei spielten in acht Prozent der Fälle eine Rolle.

Ob sich das Dunkelfeld vergrößert oder verkleinert hat, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. „Gewaltopfer bringen Straftaten zu wenig zur Anzeige“, bilanzierte Ministerin Ina Scharrenbach (CDU). Sie müssten ermutigt werden, sich an die Polizei zu wenden und die Tat anzuzeigen, auch um sich und andere vor weiteren Gewalttaten zu schützen.

(dpa)