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Grippe-Welle bleibt erneut aus: Nur 1361 Influenza-Fälle in NRW während Grippe-Saison

Grippe-Welle bleibt erneut aus : Nur 1361 Influenza-Fälle in NRW während Grippe-Saison

Maske in Bus und Bahnen, Homeoffice für viele Beschäftigte und kaum große Veranstaltungen. Die umfangreichen Schutzmaßnahmen gegen Corona haben es auch den Grippeviren schwerer gemacht.

Eine Grippe-Welle ist in Nordrhein-Westfalen in der Saison 2021/22 erneut weitgehend ausgeblieben. Dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen seien insgesamt 1361 Influenza-Fälle gemeldet worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. In der Grippe-Saison 2020/21 waren landesweit nur 98 Fälle bekanntgeworden. Vor der Corona-Pandemie lag die Zahl der Influenza-Fälle im bevölkerungsreichsten Bundesland zwischen 25.000 und 36.000 je Saison.

In der jüngsten Grippe-Saison sei nach dem Datenstand bis 25. Mai ein Influenza-Todesfall übermittelt worden. Das sei auch in der Saison 2020/21 schon so gewesen. 2019/20 habe es 130 Todesfälle gegeben, in der Saison davor 180.

Bei der Grippe-Saison wird der Zeitraum der Kalenderwoche 40 bis Kalenderwoche 20 des Folgejahres angesetzt - also der Zeitraum von Oktober bis Mai.

Über die Gründe für die Zunahme der Grippe-Fälle auf ganz niedrigem Niveau liegen dem Landeszentrum nach eigenen Angaben keine gesicherten Erkenntnisse vor. Es könnten etwa umfangreichere Corona-Schutzmaßnahmen und möglicherweise auch eine höhere Akzeptanz und stringentere Umsetzung in der Saison 2020/21 eine Rolle gespielt haben. Denkbar sei auch, dass ein geändertes Testverhalten dabei Einfluss hatte, weil die Grippe wieder stärker in den Blickpunkt genommen worden sei: Womöglich seien in der jüngsten Saison mehr Personen mit entsprechenden Symptomen nicht nur auf Covid-19, sondern auch auf Influenza getestet worden.

Das Landeszentrum stellte allerdings fest, dass in der jüngsten Grippe-Saison die Fallzahlen gegen Ende bisher nicht auf nahe Null gesunken seien wie in den Jahren zuvor. Die Anzahl der wöchentlich gemeldeten Influenzafälle verharre seit der 15. Kalenderwoche 2022 – also dem 11. bis 17. April – auf gleichbleibendem Niveau. Das Influenza-Geschehen sei in der jüngsten Saison also offenbar zeitlich nach hinten verschoben, hieß es.

Die Zahl der Grippe-Schutzimpfungen ging 2021 leicht zurück. Sie liegt aber weiter deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie, wie aus Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) hervorgeht. So gab es im Bereich der KV Nordrhein im vergangenen Jahr 1,473 Millionen Impfungen gegen Grippe. Das seien rund 135.000 weniger als im ersten Coronajahr 2020, sagte ein Sprecher. 2016 und 2017 habe die Zahl der Grippeimpfungen zwischen 985.000 und 990.000 gelegen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich aus Zahlen der KV Westfalen-Lippe, die 1,267 Millionen Grippe-Schutzimpfungen im Jahr 2021 verzeichnete – nach rund 1,4 Millionen im Jahr 2020. Die Zahlen beider Vereinigungen zusammen bedeuten: Im vergangenen Jahr haben sich landesweit rund 2,74 Millionen gesetzlich Versicherte gegen Grippe impfen lassen. Bei etwa 16 Millionen gesetzlich Versicherten war das gut jeder sechste.

Im vergangenen Herbst starteten auch etliche Apotheker in NRW mit Grippe-Schutzimpfungen - im Rahmen von Modellprojekten ihrer Regionalverbände mit einer Krankenkasse. Wie eine Sprecherin des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe sagte, seien in dieser ersten Saison annähernd 1000 Grippe-Schutzimpfungen erfolgt. Da das Projekt erst im Oktober richtig angelaufen sei, hätten die Apotheken in Westfalen-Lippe erst relativ spät einsteigen können.

Im Bereich des Apothekerverbandes Nordrhein sind in der ersten Saison 1400 Grippe-Schutzimpfungen von Apothekern durchgeführt worden, wie Vorsitzender Thomas Preis sagte. Das Corona-Impfangebot sei hingegen bereits über 30.000 Mal seit dem Start im Februar 2022 in der Region Nordrhein genutzt worden. „In der kommenden Grippe-Saison gehen wir von deutlich höheren Impfzahlen aus.“ Dann könnte infolge einer Gesetzesänderungen alle Bürger auch in den Apotheken gegen Grippe und Corona geimpft werden. Häufig würden beide Impfungen kombiniert.

(dpa)