Aachen: NRW will hochmodernes Verkehrssystem zu Olympia 2032

Aachen : NRW will hochmodernes Verkehrssystem zu Olympia 2032

Nordrhein-Westfalen will bei der Olympia-Bewerbung 2032 an Rhein und Ruhr mit der Entwicklung eines hochmodernen, umweltfreundlichen Verkehrssystems punkten. Die Zukunftsfrage Mobilität werde mit der sportlichen Ambition verknüpft, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

In dieser Aussage stecken einige Unwägbarkeiten, vor allem natürlich die, ob Olympia 2032 überhaupt in NRW stattfinden wird. 14 Kommunen streben in einer von dem Sportmanager Michael Mronz gegründeten privaten Initiative eine Bewerbung für die Sommerspiele und Paralympics an Rhein und Ruhr an. Als Austragungsorte würden bereits bestehende Stadien genutzt — in Aachen natürlich das Gelände in der Soers für die Reiterspiele.

Klar ist: Die hinter der Bewerbung stehende Rhein Ruhr City GmbH würde den Zuschlag nur bekommen, wenn die Region dafür ein zukunftsfähiges, nachhaltiges, ökologisches und ökonomisch sinnvolles Mobilitätskonzept vorweisen kann. Ein mit Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Politik hochkarätig besetzter, zweitägiger Kongress in Aachen, für den auch Altmaier eigens aus seinem Urlaub angereist war, sammelt dafür bis einschließlich heute Ideen und vor allem Visionen. Im Fokus steht dabei natürlich die Digitalisierung mit ihren Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, vor allem auf die dann so vernetzte Mobilität.

Zur Einstimmung steckten Mronz und Mitveranstalter Prof. Günther Schuh, Direktor des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen, den Rahmen ab. Mronz warnte: „Der technische Fortschritt ist nicht umkehrbar. Darum muss der Politik klar sein: Wer die Aufgabe der Gestaltung verschläft, der gefährdet die Grundlagen unseres Wohlstandes.“

Deutschland laufe aber Gefahr, den Anschluss bei den Zukunftsthemen zu verlieren. Die Musik spiele längst woanders, nicht nur im Silicon Valley. Dabei sei das Potenzial in der Rhein-Ruhr-Region riesig und weltweit einmalig: 20 Hochschulen, knapp 500.000 Studierende, 13 der 30 MDax-Unternehmen, über 400.000 mittelständische Unternehmen sind hier zu finden. Mronz forderte eine stärkere Vernetzung aller Bereiche. Auch dazu will die Initiative einen Beitrag leisten.

Der Sportmanager, der auch Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH ist, sprach viel vom Spirit, der von dem Kongress ausgehen sollen. Das klang dann so: „14 Oberbürgermeister und die Landesregierung unter Armin Laschet haben ja zur Rhein Ruhr City 2032 gesagt. Es entsteht ein neues Wir-Gefühl. Der Wert von Olympischen und Paralympischen Spielen ist es, als Region zu denken. Wir wollen dieses neue Wir-Denken aus dem Sport auf die Wirtschaft und die Universitäten übertragen, um gemeinsam als Region in Zukunft stark zu sein.“

Ziel sei es nicht, die Olympischen Spiele nach NRW zu holen, um modern zu werden. Vielmehr gelte: „Wir holen die Olympischen Spiele, weil wir schon modern sind.“ Das bedeutet aber auch: Selbst wenn es nicht zu einer Bewerbung kommt oder wenn diese dann scheitern sollte, habe das Land, hätten die Menschen dort viel davon: ein attraktives, zukunftsfähiges Mobilitätskonzept.

Das werde die Menschen im Land überzeugen, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. „Wenn alle 14 beteiligten Städte da an einem Strang ziehen, wird die Frage, wo das Olympiastadion stehen soll, zweitrangig.“ Wichtig sei für die Initiative die Sportbegeisterung, die Nachhaltigkeit und der Mehrwert, der für die Menschen bleibe — selbst wenn Olympia 2032 einen anderen Austragungsort fände. Laschet nannte ein Beispiel: Die Spiele 1972 waren der Grund dafür, dass München als Austragungsort eines der modernsten U-Bahn-Systeme realisiert hat. Dies sei ein Beleg für gelungene Nachhaltigkeit und für echten Mehrwert.

Laschet legte den Fokus stark auf die Arbeitsplätze, die durch Innovationen entstehen können. Günter Schuh schaute mehr auf das, was an diesen Arbeitsplätzen entstehen kann. Eindringlich mahnte er eine aufeinander abgestimmte, also konvergente Entwicklung an. Für Kirchturmdenken ist in diesen Szenarien also kein Platz. Schuh forderte das auch mit Blick auf mögliche Investoren. Und er versprach, dass man auf den Nachfolgekongressen nicht nur unverbindlich Ideen sammeln werde, sondern die bereits erzielten Ergebnisse bewerten und die weiteren Aufgaben abstecken wolle. Damit nicht nur aus Minister Altmaiers Vision vielleicht tatsächlich einmal Realität werden kann.

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