Düsseldorf: NRW wappnet sich gegen spanische Gurken

Düsseldorf: NRW wappnet sich gegen spanische Gurken

Zum Schutz gegen den gefährlichen Durchfall-Erreger EHEC verlangt Nordrhein-Westfalen ab sofort einen Unbedenklichkeits-Nachweis für spanische Gurken.

„Wir haben heute angeordnet, dass Betriebe, die spanische Gurken vertreiben und verarbeiten, dies nur dann dürfen, wenn sie nachgewiesen haben, dass diese Ware frei von EHEC-Erregern ist”, erläuterte Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in Düsseldorf.

Der Nachweis besteht aus einer chemischen Labor-Analyse. Gurken aus Spanien waren als Träger der EHEC-Erreger identifiziert worden. „Ein Importstopp ist rechtlich unmöglich”, stellte Remmel klar. Die Nachweispflicht wirke sich aber in der Praxis ganz ähnlich aus.

Die Zahl der EHEC-Erkrankten stieg unterdessen in NRW deutlich an. Von Donnerstagmittag bis Freitagmittag erhöhte sie sich von 27 auf 48. Davon seien 15 Personen schwer erkrankt mit akutem Nierenversagen (HUS), teilte das Gesundheitsministerium mit. Einschließlich aller unbestätigten Verdachtsfälle erhöhte sich die Zahl der Erkrankten auf 84. „Wir halten das nicht für einen dramatischen Anstieg in Anbetracht der Größe des Landes”, sagte Ministeriumssprecher Christoph Meinerz.

Noch immer ist unbekannt, wie und wo genau der gefährliche Darmkeim auf das Gemüse gelangt ist. Dass die Gurken erst durch einen Sturz im Hamburger Großmarkt verunreinigt wurden, bezeichnete Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, als unwahrscheinlich: „Ist eine Möglichkeit, aber eine sehr, sehr, sehr geringe”, sagte er der dpa in Köln.

Entwarnung gibt es vorerst nicht. Denn weiterhin gilt es als möglich, dass nicht nur die spanischen Gurken, sondern auch andere Lebensmittel den Erreger aufgenommen und die Krankheit verbreitet haben. „Deshalb gehen wir allen Spuren nach”, sagte Remmel. Er empfahl den Betreibern von Kantinen und Gaststätten, grundsätzlich auf rohes Obst und Gemüse zu verzichten, falls der Lieferant die Unbedenklichkeit nicht nachweisen könne.

Landesweit überprüft die Landesregierung Gemüse-Anbieter, die ihre Felder mit Oberflächenwasser bewässern. „Oberflächenwasser kann zum Beispiel über ausgebrachte Gülle belastet sein”, sagte Remmel. Mit Ergebnissen rechne er frühestens nächste Woche. Zur Koordinierung aller Informationen wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Aus Angst vor EHEC lassen viele Verbraucher nun gleich ganz die Finger von Gemüse. Vor allem Gurken, Tomaten und Salat würden weniger gekauft, berichtete die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen am Freitag in Bonn. „Es geht da nicht um eine Kiste, es geht um ganze Lkws”, sagte der Sprecher Bernhard Rüb. Nach Einschätzung der Erzeugergenossenschaft Landgard werden die Verluste für die deutsche Landwirtschaft in die Millionen gehen.