Düsseldorf/Aachen: NRW verschärft Schutzmaßnahmen: Mehr Polizei auf Weihnachtsmärkten

Düsseldorf/Aachen : NRW verschärft Schutzmaßnahmen: Mehr Polizei auf Weihnachtsmärkten

An Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag müssen sich Weihnachtsmarktbesucher in Nordrhein-Westfalen in den nächsten Tagen nicht gewöhnen. Wegen der angespannten Sicherheitslage nach den Terroranschlägen in Paris kündigte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf aber zusätzliche Vorkehrungen auch dort an.

WEIHNACHTSMÄRKTE: Auf den großen, hoch frequentierten Weihnachtsmärkten soll es mehr Polizeipräsenz geben. Die Beamten werden ausgerüstet wie immer. In besonderen Lagen können sie aber auf andere Waffen und spezielle Schutzwesten in ihren Dienstfahrzeugen zurückgreifen. Die Stadt Aachen hatte bereits am Dienstag darüber informiert, dass mehr Ordner und mehr Polizisten das Sicherheitsgefühl der Besucher des Aachener Weihnachtsmarktes stärken sollen.

FRANZÖSISCHE EINRICHTUNGEN: Auch hier wird mehr Schutzpolizei eingesetzt.

VERDECKTE MAßNAHMEN: Sie haben aus Sicht des Innenministers eine besondere Bedeutung, um Anschläge im Keim zu verhindern und sollen „in erheblichem Maß hochgefahren” werden.

FUßBALL: „Es gibt keinerlei Hinweise zurzeit, die darauf hindeuten, dass irgendein Spiel der Fußballbundesliga anschlagsgefährdet wäre”, sagt Jäger. „Wir sind uns mit DFB und DFL einig: Am Wochenende wird in Deutschland Fußball gespielt.” Der Minister rät den Bürgern, zwar wachsam zu sein und Verdächtiges der Polizei zu melden, aber nicht in Panik zu verfallen. Dabei will der 54-Jährige Vorbild sein. „Ich selbst werde am Freitagabend meinem Heimatverein MSV Duisburg im Düsseldorfer Stadion die Daumen drücken.”

TERRORGEFAHR: Zur Zeit führt nach Darstellung des Ministers keine Spur der Pariser Attentäter nach NRW. Zum Fall eines 39-jährigen festgenommen Algeriers, der sich in einem Flüchtlingsheim in Arnsberg als Mitwisser dargestellt hatte, gebe es noch keinen neuen Erkenntnisstand. Aber nicht erst seit der Mordserie vom Wochenende und den Anschlägen auf das Pariser Sartire-Magazin „Charlie Hebdo” gelte: „Die Sicherheitslage ist ernst in Deutschland.” Deutschsprachige „Gotteskrieger” riefen schon seit Monaten aus dem Irak und Syrien in martialischen Videos zum Anschlägen in Deutschland auf.

TERRORFAHNDUNG: In Alsdorf hatte es am Dienstag sieben Festnahmen gegeben, sie sich allerdings schnell als unbegründet herausstellten: Niemand der Verdächtigten habe salafistische Bezüge, stellt Jäger fest. Ursache der Verwechslung: die große Ähnlichkeit zweier Festgenommener mit Tatverdächtigen des Terroranschlags in Paris. Die Hinweise seien „sehr konkret” gewesen, sagt der Minister. „Es ist nicht so, dass die Polizei wahllos Durchsuchungen durchführt.” Die Polizei will sich jetzt bei den Betroffenen „angemessen” entschuldigen. An der Grenze zu Belgien kontrolliert die Bundespolizei verstärkt Autos.

FLÜCHTLINGE: Sie dürften in der angespannten Lage nicht zur Zielscheibe von Angst und Hass werden, warnt Jäger. In den vergangenen Monaten habe es bundesweit rund 100 Hinweise auf vermeintliche IS-Terroristen im Umfeld von Flüchtlingsheimen gegeben. Bei den meisten habe es sich um „Tartaren-Meldungen” von Denunzianten gehandelt. 16 Ermittlungsverfahren seien eingeleitet, die meisten aber schon wieder eingestellt worden.

(dpa)