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Senioren zuerst: NRW startet nach Weihnachten mit Corona-Impfungen

Senioren zuerst : NRW startet nach Weihnachten mit Corona-Impfungen

NRW krempelt die Ärmel hoch - diesmal zum Impfen. Direkt nach Weihnachten soll es losgehen - zuerst in Senioren- und Altenpflegeheimen. Kein Grund, jetzt locker zu lassen, mahnt die Regierung. Die Vorgabe bleibt: „Partys verboten.“

Direkt nach Weihnachten kann es Nordrhein-Westfalen losgehen mit den ersten Corona-Schutzimpfungen. Nach einem „Impf-Gipfel“ mit Spitzenvertretern von Ärzteverbänden und Kommunen kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an: „Nach dem heutigen Stand gehen wir davon aus, dass ab 27. Dezember - also dem Tag nach dem zweiten Weihnachtstag - in Nordrhein-Westfalen das Impfen beginnen kann.“

Wie viele Dosen zu Beginn auf NRW entfallen, sei noch unklar. Grundsätzlich sei die Einwohnerzahl der Verteilungsschlüssel. „Im Prinzip steht Nordrhein-Westfalen bereit in dem Moment, wo der Impfstoff deutschen Boden betritt, gebracht wird, ihn zu den Menschen zu bringen“, sagte Laschet.

Erste Priorität bei den Impfungen sollen auch in NRW Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen haben - entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Das sind nach Regierungsangaben allein in NRW rund 175 000 Menschen in 2300 Einrichtungen. Auf der gleichen Stufe sei Pflegepersonal einzuordnen und medizinisches Personal in Krankenhäusern, wo Covid-19-Patienten behandelt werden, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Das Land werde den Impfstoff über eine Logistikfirma - nach Einwohnerzahl - auf die Städte und Kreise verteilen. Vor Ort entscheiden dann Bürgermeister und Landräte, in welchen Einrichtungen zuerst geimpft werden soll. Hier seien die Dringlichkeiten am besten einzuschätzen, sagte Laumann. Am Donnerstag waren seinen Angaben zufolge 5711 Bewohner und 1830 Pfleger auf stationären Einrichtungen in NRW mit dem Coronavirus infiziert. Eine Impfpflicht gibt es nicht. Voraussetzung für Impfungen sind Einverständniserklärungen.

Laschet sprach von einer „logistischen Mammut-Aufgabe“, das hoch empfindliche Serum des Mainzer Impfstoff-Herstellers Biontech und des US-Pharmakonzern Pfizer bei minus 70 Grad zu lagern und zu transportieren. In NRW sind 53 Corona-Impfzentren in den Kreisen und kreisfreien Städten aufgebaut worden. Wenn bei der Impfung nach dem Vorschlag der Ständigen Impfkommission mit den über 80-Jährigen begonnen wird, würde das in NRW allein mehr als 1,2 Millionen Menschen betreffen. Als weitere große Herausforderung sieht Laumann die Impfung von pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause lebten. Allein in NRW seien das 800.000 Menschen.

Laschet mahnte, die für Montag erwartete Zulassung in Europa sei zwar „ein Licht am Ende des Tunnels“, aber kein Grund zur Entwarnung. Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln müssten weiter eingehalten werden. Er appellierte an die Bürger, über Weihnachten keine Schlupflöcher zu suchen. „Wir dürfen jetzt nicht in so eine Mentalität verfallen: wie kriegen wir irgendwie in der Scheune, in der Garage, in der Halbgarage diese Verordnungen umgangen.“ Angezeigt wäre eher eine über die Verordnung hinausgehende Selbstbeschränkung.

„Bleibt einfach zu Hause, macht kleine Einheiten, versucht, so wenig wie möglich Menschen zu treffen. Dann können wir diesen Lockdown leben“, sagte Ministerpräsident Laschet. Denselben Appell verbreitete er auch in einer gemeinsamen Videobotschaft mit seinen Amtskollegen aus den Niederlanden und Belgien. Laumann unterstrich: „Partys sind verboten. Punkt.“

In NRW bleiben die Corona-Zahlen weiter hoch: In sieben Tagen gab es laut Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) pro 100.000 Einwohner 176,5 Infektionen mit dem Virus. „Das ist eine schlechte Zahl“, sagte Laumann. Am vergangenen Mittwoch hatte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz mit 172,5 etwas niedriger gelegen. NRW lag allerdings erneut etwas unter dem Bundesdurchschnitt (179,2).

Beim Umgang mit der Pandemie gilt bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz ein Wert von 50 als Warnschwelle, um härtere Maßnahmen einzuleiten - diese Schwelle ist seit langem gerissen. Am Mittwoch wurde das öffentliche Leben drastisch heruntergefahren, um die Werte zu senken.

Bei aller Anspannung in den Krankenhäusern sei NRW aber noch „weit entfernt“ von der Frage, welche Patienten zuerst behandelt würden, versicherte Laumann. Kein Mensch müsse sich in NRW Sorgen machen, dass er im schweren Krankheitsfall nicht optimal versorgt werde.

Derzeit gebe es noch mehr als 900 freie Intensivbetten in den NRW-Krankenhäusern, davon 566 mit Beatmungsmöglichkeit. Außerdem seien in NRW noch 74 Herz-Lungen-Maschinen frei. Insgesamt lagen seinen Angaben zufolge am Donnerstag 5386 Covid-19-Patienten in NRW-Krankenhäusern, davon 1075 auf Intensivstationen - 667 werden beatmet.

Laumann warnte Leiter von Pflege- und Altenheimen eindringlich davor, Besucher aus Infektionsschutzgründen auszusperren. „Es gibt keinen Heimleiter in Nordrhein-Westfalen, der sein Heim dicht machen kann.“ Dies wäre ein Verstoß gegen Recht und Gesetz. „Ich werde die Besuchsmöglichkeit in den Heimen durchsetzen.“

Zustände wie über Ostern, wo alte Menschen in den Heimen alleine bleiben mussten, werde er an Weihnachten nicht mehr zulassen. „Und es ist nicht das Recht eines Heimleiters, das zu entscheiden.“ Es werde über die Feiertage aber personelle Unterstützung aus den Wohlfahrtsverbänden für die Heime geben - etwa für Schnelltests.

(dpa)