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Verdopplung in zwölf bis 15 Tagen: NRW hofft auf langsameren Anstieg der schweren Corona-Infektionen

Verdopplung in zwölf bis 15 Tagen : NRW hofft auf langsameren Anstieg der schweren Corona-Infektionen

Die Kurve der Corona-Infektionen steigt weiter an. Doch es gibt erste Hoffnungsschimmer. Der Anstieg muss aber weiter abgebremst werden. Andernfalls könnten die Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen.

Bei weiter stark steigenden Corona-Infektionszahlen befürchtet die nordrhein-westfälische Landesregierung Engpässe in Krankenhäusern bei Beatmungsgeräten für schwer erkrankte Patienten. „Mir ist ganz wichtig, wie entwickelt sich die Zahl der Menschen, die Intensivbehandlung und Beatmung brauchen“, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag in Düsseldorf.

Maßstab für die Schätzungen, wie viele schwere Covid-19-Fälle zu erwarten sind, ist der Zeitraum der Verdoppelung der Corona-Infektionszahlen. Derzeit verdoppeln sich diese in NRW etwas langsamer. Am Freitag habe der Zeitraum bei 9,4 Tagen gelegen, sagte Laumann. Drei Tage zuvor waren es noch 8,9 Tage. „Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung“, sagte Laumann.

Wenn aber die Infektionszahlen im aktuellen Tempo anstiegen, würde es Ende April schon 136.000 Infizierte in NRW geben, rechnete er vor. Wenn man dagegen auf eine Verdoppelung alle 12 Tage käme, wären es „nur“ etwa 85.000 Corona-Infizierte. Er hoffe auf einen Zeitraum von 12 bis 15 Tagen. „Was das Gesundheitssystem angeht, würde mich das etwas ruhiger schlafen lassen.“ Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen lag am Freitag in NRW bei mehr als 18.530. Die Zahl der Toten lag bei 220.

Knapp drei Prozent der insgesamt mit dem Coronavirus infizierten Menschen erkranken nach Angaben Laumanns so schwer, dass sie beatmet werden müssen. Aktuell lägen insgesamt fast 1660 Corona-Infizierte in NRW-Krankenhäusern, davon 599 Patienten auf Intensivstationen. Rund 480 von diesen müssten beatmet werden.

Derzeit gibt es ausreichend Beatmungsplätze: In NRW seien von rund 6160 Intensivbetten mehr als 4200 mit Beatmungsgeräten ausgestattet, so Laumann. Diese könnte man um 1600 erhöhen. So sollten etwa Narkosegeräte zu Beatmungsgeräten umgewandelt werden, um eine „stille Reserve“ zu bilden.

Wenn es aber Ende April 136.000 Menschen mit Corona-Infektionen in NRW geben würde, müssten theoretisch schon rund 4080 von ihnen beatmet werden. Bei einer Verdoppelung nach 15 Tagen hätte man nur 62.000 Corona-Infektionen, sagte Laumann. Damit würden dann weitaus weniger Beatmungsplätze benötigt.

Noch könnten die Krankenhäuser die Zahl der Corona-Patienten sehr gut bewältigen, sagte Laumann. Regionale Engpässe gebe es allerdings etwa in der Städteregion Aachen. Auf der anderen Seite überlegten erste Krankenhäuser aber sogar, ob sie Kurzarbeit anmeldeten, weil sie wegen der erwarteten Corona-Patienten „ganze Strukturen leergezogen hätten“, sagte Laumann. Noch herrsche „Ruhe vor dem Sturm“.

Die Corona-Testkapazitäten in NRW werden derzeit nach Angaben Laumanns nicht ausgeschöpft. Möglich wären landesweit gut 20.000 Tests pro Tag. Die Entscheidung für Tests liege im Ermessen der Ärzte. Kriterien seien die Symptome, Kontakte mit Corona-infizierten und der Aufenthalt in einem Krisengebiet. Neun von zehn Patienten, die in NRW bislang auf das Corona-Virus getestet wurden, seien nicht infiziert. Diese Quote zeige aber, dass in NRW bereits sehr viel getestet werde.

Laumann sprach sich für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus, wie es auch das Robert Koch-Institut (RKI) jetzt empfehle. Damit könne man zwar nicht verhindern, selbst infiziert zu werden. Die Maske grenze aber die Infektion Anderer ein, weil es sich bei Corona um eine Tröpfchen-Infektion handele.

Der Minister warb für das umstrittene Epidemie-Gesetz, das kommende Woche in entschärfter Version vom NRW-Landtag verabschiedet werden soll. Das Gesetz sieht für den Corona-Katastrophenfall weitreichende Durchgriffsrechte der Landesregierung vor. In einer solchen Situation müsse das Land zum Beispiel auch wissen, wo es außerhalb der Krankenhäuser Beatmungsgeräte gebe, sagte Laumann.

Der Gesetzentwurf sieht unter anderem Zwangsverpflichtungen von Ärzten im Notfall vor. Außerdem sollen die Behörden berechtigt werden, medizinisches Material sicherzustellen. „Natürlich geht Freiwilligkeit vor Zwangsverpflichtung“, sagte Laumann. Es handele sich hier nur um „allerletzte Mittel“, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

(dpa)