NRW-Fraktionen: Übernehmen Verantwortung für Gladbeck

Gladbecker Geiseldrama : NRW-Landtag bekennt sich zu Verantwortung

30 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama hat sich der nordrhein-westfälische Landtag fraktionsübergreifend erstmals zur Mitverantwortung des Landes für die damaligen Einsatzfehler bekannt.

In einer einstimmig angenommenen Resolution baten CDU, FDP, SPD, Grüne sowie AfD und fraktionslose Abgeordnete am Mittwoch die Angehörigen der drei Todesopfer um Entschuldigung. In einer Schweigeminute gedachte der Landtag der Opfer, Hinterbliebenen und Verletzten.

„Dass es so weit kommen konnte, lag auch und vor allem an Fehlern der verantwortlichen Einsatzleitung in Nordrhein-Westfalen“, heißt es in der Resolution. Die damalige NRW-Einsatzleitung habe nach heutigen Erkenntnissen „mehrere Möglichkeiten verstreichen lassen, die Geiselnahme zu beenden und die Geiseln zu retten“.

Die problematische Rolle der Medien und die politische Aufarbeitung des Falls hätten dazu beigetragen, dass die Opfer der Geiselnahme und die Hinterbliebenen vom Staat weitgehend unbeachtet geblieben seien, sagte Landtagspräsident André Kuper (CDU). „Dies erscheint im Nachhinein unverständlich, und es ist unverzeihlich.“

Das Gladbecker Geiseldrama wurde in kurzer Zeit zu einem Medienspektakel - mit tragischem Ausgang. Foto: Hartmut Reeh

Während Bremen das Geiseldrama schnell politisch aufgearbeitet habe, sei in NRW erst 30 Jahre später ein Konsens erzielt worden. „Das Eingeständnis eigener Schuld, eigener Fehler, kam den nordrhein-westfälischen Behörden und Entscheidungsträgern damals nicht über die Lippen“, sagte Kuper.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte zum 30-jährigen Erinnerungstag vor gut einem Monat gemeinsam mit Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) und Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé (SPD) Kränze am Grab von Silke Bischoff im niedersächsischen Heiligenrode niedergelegt. Die 18-jährige Bischoff war damals von einem der Geiselnehmer erschossen worden. Ebenso der 15-jährige Italiener Emanuele de Georgi. Der Bremer Polizist Ingo Hagen kam bei dem Einsatz bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Am 16. August 1988 hatten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet in Gladbeck eine Bankfiliale überfallen und Geiseln genommen. Anschließend flohen sie - live verfolgt von Fernsehen und Radio.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Auch nach 30 Jahren unvergessen: Das Geiseldrama von Gladbeck

(dpa)
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