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Kampf gegen Virus: NRW bereitet sich auf viele schwerkranke Corona-Infizierte vor

Kampf gegen Virus : NRW bereitet sich auf viele schwerkranke Corona-Infizierte vor

Der Kampf gegen das Coronavirus in Nordrhein-Westfalen ist in vollem Gang. Gleichzeitig wappnet sich das Land für ein Szenario mit vielen schwerkranken Infizierten. Die scharfen Maßnahmen gegen das Virus stoßen keineswegs überall auf Begeisterung.

Die Zahl der Corona-Infizierten in Nordrhein-Westfalen steigt weiter, und das Land bereitet sich auf ein Corona-Szenario mit vielen schwer erkrankten Menschen vor. Landesweit sollten medizinische Rehakliniken rund die Hälfte ihrer Kapazitäten freiräumen, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Auch diese Kliniken sollten dann für die Versorgung zur Verfügung stehen.

Er werde auch auf „private Strukturen“ zugehen, sagte Laumann. Außerdem werde er „alles tun, was geht, um möglichst viele Beatmungsplätze in Krankenhäusern zu organisieren“. An den finanziellen Mitteln werde das nicht scheitern.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hatte am Morgen vor einem Szenario mit zehn Millionen Coronavirus-Infektionen bis in einigen Monaten in ganz Deutschland gewarnt. Dies könne eintreten, wenn die von der Bundesregierung angeordneten Maßnahmen nicht eingehalten würden, sagte Wieler am Mittwoch in Berlin.

In NRW ist das Virus trotz aller Maßnahmen zur Eindämmung auf dem Vormarsch: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der nachgewiesenen Fälle von knapp 3380 am Vortag auf knapp 3840 am Mittwoch um 10 Uhr. Die Zahl der landesweit gemeldeten Todesfälle lag demnach unverändert bei zwölf.

Die Gegenmaßnahmen wie verbotene Spielplätze, Restaurants im Kurzbetrieb, endgültig geschlossene Schulen und viele geschlossene Geschäfte schneiden dabei seit Mittwoch tief in den Alltag der Menschen ein – und nicht alle sehen das ein.

Der stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) warnte die Menschen in NRW eindringlich vor sogenannten Corona-Partys und anderen „Zusammenrottungen“. Sollten sich die Menschen nicht daran halten, drohten „drastischere Maßnahmen“, sagte er. Auch Ausgangssperren wollte Stamp nicht ausschließen. Diese müssten aber koordiniert mit allen Ländern beschlossen werden.

Es müsse alles getan werden, um die Coronavirus-Infektionsketten zu durchbrechen. „Keine Ansammlungen in Parks, keine Zusammenrottungen, keine Grillfeste, auch nicht im privaten Garten“, sagte Stamp. Immer noch gebe es etwa auch auf den Rheinwiesen Ansammlungen von Menschen, „die sich die Bierflaschen teilen“.

Anders als in Bayern sollen die Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen zunächst nicht wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. NRW sei aber „in Abstimmung mit der Ländergemeinschaft“, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Ziel sei, „allen ein faires Abitur anzubieten“ und Klarheit zu schaffen über das Wann und Wie. Bayern wird hingegen den Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai 2020 verschieben.

Die Umstellung des Schulbetriebs wegen der Corona-Pandemie ist aus Sicht der nordrhein-westfälischen Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) reibungslos angelaufen. Die Notbetreuung an den Schulen sei kaum in Anspruch genommen worden, sagte die Ministerin. Eine Blitzumfrage habe ergeben, dass im Landesdurchschnitt nur bis zu vier Prozent der Notplätze in den Grundschulen in Anspruch genommen würden. Nur in Ausnahmefällen dürfen Eltern ihre Kinder in eine Schul-Notbetreuung bringen.

(dpa)