Düsseldorf: NRW begrüßt Dürre-Hilfen für Landwirte

Düsseldorf : NRW begrüßt Dürre-Hilfen für Landwirte

Nordrhein-Westfalen will sich an den zugesagten millionenschweren Dürre-Hilfen für dürregeplagte Landwirte beteiligen. Ein zusätzliches Landesprogramm sei aber nicht vorgesehen, sagte NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Sie halte die bestehenden Möglichkeiten mit Steuererleichterungen, Liquiditätsprogrammen der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Unterstützung bei der Futtermittelbeschaffung und den jetzt beschlossenen Nothilfen für ausreichend. „Mit den Zuschüssen können wir gut helfen”, sagte sie.

Zuvor hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin Schäden von „nationalem Ausmaß” bei der diesjährigen Erntebilanz anerkannt und damit grünes Licht für die ersten staatlichen Dürre-Hilfen seit 2003 gegeben. Insgesamt soll die Unterstützung mit den Ländern 340 Millionen Euro betragen. Die Länder sollen die Hälfte tragen.

Die Quote, mit der NRW sich an dem Programm beteilige, werde in den nächsten Wochen in einer Bund-Länder-Vereinbarung festgelegt, sagte Heinen-Esser. Dort müsse auch eine Bedürftigkeitsprüfung geregelt werden, damit die Hilfen nur an wirklich betroffene Landwirte gehe, die im Haupterwerb ihren Betrieb führen.

Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Norwich Rüße, betonte, dass Geld der Steuerzahler dürfe nur für existenziell gefährdete Betriebe ausgegeben werden. Grundsätzlich gilt, dass das Wetter ein unternehmerisches Risiko für die Landwirtschaft ist, gegen das Unternehmer selbst vorsorgen müssen”, stellte der Öko-Bauer fest. Agrarsubventionen dürften künftig nicht länger nach Fläche und Größe von Betrieben vergeben werden.

Bundesweit seien bis zu 10 000 Betriebe so stark betroffen, dass ihre Existenz bedroht ist - etwa jeder 25, sagte Klöckner. Damit ist das Ausmaß größer als 2003, als der Bund zuletzt Dürrehilfen zahlte. Eine geringere Getreideernte habe es in Deutschland zuletzt 1994 gegeben.

Nach vorläufigen Ergebnissen liegen die Erträge je Hektar um 16 Prozent unter dem Schnitt der drei Vorjahre. Das stärkste Minus hatten Schleswig-Holstein (31 Prozent), Brandenburg (27 Prozent), Sachsen-Anhalt (26 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (25 Prozent). Auswirkungen seien regional aber sehr unterschiedlich. Schäden und Interesse an Hilfsprogrammen meldeten nun 14 Länder an, nur Rheinland-Pfalz und das Saarland nicht. Insgesamt geht der Bund von Schäden von 680 Millionen Euro aus - für die Hälfte der Summe will der Staat also mit Zuschüssen für betroffene Höfe einspringen.

Zuletzt hatte sich der Bund 2003 wegen einer Dürre an Hilfen beteiligt, für die zuerst die Länder zuständig sind. Damals zahlten Bund und acht betroffene Länder 80 Millionen Euro an 4400 Betriebe.

Die Erntebilanz in NRW hatte in dieser Woche nach monatelangen Spitzentemperaturen und Regenmangel ein durchwachsenes Bild ergeben: erhebliche Einbußen bei Mais, Kartoffeln und Grünlandanbau und nur ein leicht unterdurchschnittlicher Ertrag beim Getreide.

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) geht davon aus, dass in NRW mehr als 500 Betriebe auf Hilfe hoffen können. „Sicherlich kann angesichts der anhaltenden Dürre, die nach Aussagen von Wetterexperten auch noch im September anhalten soll, die Zahl der betroffenen Betriebe nicht exakt abgeschätzt werden und sogar noch ansteigen”, teilte der RLV weiter mit. Um existenziell betroffenen Landwirten unter die Arme zu greifen, müsse die Verwaltungsvorschrift mit einem möglichst einfachen und praktikablen Verfahren auf den Weg gebracht werden. So könnten Ertragsrückgange leichter und schneller ermittelt werden.

(dpa/lnw)
Mehr von Aachener Nachrichten