Nach Razzien wegen Terrorverdacht: Noch drei Verdächtige in Gewahrsam

Nach Razzien wegen Terrorverdacht : Noch drei Verdächtige in Gewahrsam

Nach einem verdächtigen Telefonat hatte die Polizei wegen Terror-Verdachts Wohnungen in Köln und Düren durchsucht. Konkrete Hinweise auf einen Anschlag gibt es bisher nicht, aber drei Verdächtige bleiben in den nächsten Tagen in Polizeigewahrsam.

Nach den Razzien in Köln und Düren wegen möglicher Terror-Pläne bleiben drei Verdächtige in Polizeigewahrsam. Zwei mutmaßliche islamistische Gefährder sollen nach richterlichem Beschluss nun für zwei Wochen und ein 20 Jahre alter Konvertit für zehn Tage in Gewahrsam bleiben, wie die Polizei am Freitag mitteilte. In dieser Zeit wollen die Ermittler prüfen, ob sich ausreichende Anhaltspunkte für ein Strafverfahren ergeben. Ein vierter Mann, ebenfalls ein Konvertit, wurde dagegen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Das neue NRW-Polizeigesetz erlaubt einen Polizeigewahrsam von bis zu 14 Tagen, um eine mögliche unmittelbar bevorstehende Straftat zu verhindern. Ein konkreter Tatverdacht ist dafür noch nicht erforderlich. „Wir hatten aktuell verdeckte Erkenntnisse, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte“, hatte der Leitende Kölner Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker am Donnerstag gesagt. „Der Grundsatz ist: Gefahrenabwehr hat immer Vorrang vor Strafverfolgung.“ Ein Langzeitgewahrsam kann um weitere 14 Tage verlängert werden. Ein Richter muss den Maßnahmen zustimmen, der Verdächtige hat Anspruch auf einen Anwalt.

Beamte hatten am Donnerstag sechs Wohnungen und eine Baustelle durchsucht und zunächst sechs Männer in Gewahrsam genommen. Zwei von ihnen kamen bereits kurz danach wieder auf freien Fuß.

Als zentrale Figur gilt der 30-jährige Wael C., ein deutsch-libanesischer Konvertit aus Berlin, der in der dortigen Dschihadisten-Szene bestens vernetzt sein soll. Er wird bereits seit 2013 vom Verfassungsschutz als Gefährder eingestuft und war unter anderem Prediger in der Fussilet-Moschee, wo auch der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri verkehrte. C. soll in einem Telefonat indirekt Anschlagspläne geäußert haben - daraufhin entschied sich die Polizei zum Zugriff.

C. war nach Polizeiangaben erst vor wenigen Tagen in die Wohnung des 21-jährigen Timo R. nach Düren gezogen. Der Verfassungsschutz stuft den Deutschen als „radikalisierten jungen Konvertiten“ ein, der gewaltbereit und leicht beeinflussbar sei. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurde Timo R. bei dem Zugriff verletzt und befindet sich deshalb unter Bewachung in einem Krankenhaus. Die Verletzung sei aber nicht gravierend, sagte ein Polizeisprecher.

In der Wohnung der beiden mutmaßlichen Gefährder hatten die Ermittler eine verdächtige Flüssigkeit sichergestellt. Diese habe sich aber inzwischen als unbedenklich herausgestellt, hieß es. Zudem beschlagnahmte die Polizei dort 20 Handys sowie Laptops. Die Auswertung der umfangreichen Datenmengen werde mehrere Tage dauern.

(dpa)
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