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Ermittlungen im Fall Gino: Verdächtiger bereits einmal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt?

Ermittlungen im Fall Gino : Verdächtiger bereits einmal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt?

Nach dem Fund der Leiche des neunjährigen Gino aus Kerkrade und der Verhaftung eines 22-jährigen Mannes aus Geleen laufen die Ermittlungen der niederländischen Polizei auf Hochtouren. Viele Fragen sind noch offen, einige Details werden bekannt.

Die Polizei schlug am frühen Samstagmorgen zu: In einem Apartment in Geleen nahm sie den 22-jährigen Donny M. fest. Der Verdacht: Kindesentführung. Wenig später dann die traurige Gewissheit: Gino ist tot. Der 22-Jährige hatte die Ermittler selbst zu der Leiche des Jungen in einem Garten in der Opbraakstraat unweit seiner Wohnung geführt.

Seit mehreren Tagen war Gino als vermisst gemeldet gewesen. Der Junge wohnte eigentlich in Maastricht, hatte aber einige Tage bei seiner älteren Schwester in Kerkrade verbracht. Am Mittwochabend wollte er noch Fußball spielen. Als er gegen 19.30 Uhr nicht zurück war, schaltete die Schwester die Polizei ein. Die Folge war eine große Suchaktion unter Beteiligung vieler Freiwilliger. Entsprechend groß ist nun die Betroffenheit der Menschen im niederländischen Grenzgebiet. Am Pfingstwochenende deponierten sie Blumen an dem Spielplatz in Kerkrade, auf welchem der Junge Fußball gespielt hatte, und an der Wohnung in Maastricht, in der Gino eigentlich lebte.

Geleen liegt gut 25 Kilometer von Kerkrade entfernt. Wie und wann der Junge dorthin kam, Zeitpunkt und Umstände seines Todes und ob es Hinweise auf Missbrauch gibt, können oder wollen die Ermittler derzeit nicht sagen.

Der festgenommene 22-Jährige wird der Kindesentführung verdächtigt; außer mit seinem Anwalt spricht er mit niemandem. Am Dienstag oder Mittwoch soll er dem Haftrichter vorgeführt werden. So viel ist allerdings sicher: Er ist der Polizei und der Justiz bekannt und war am Freitagnachmittag ins Visier der Ermittler geraten. Auch dazu nannten Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag in Maastricht allerdings keine weiteren Details. Derzeit werden sowohl die Wohnung des Festgenommenen als auch der Fundort der Leiche als möglicher Tatort angesehen.

Nach niederländischen Medienberichten soll der 22-Jährige bereits einmal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein. Der damals 17-jährige M. soll demnach im Juni 2017 in Sittard zwei Jungen bedrängt und zumindest einen von ihnen gezwungen haben, sexuelle Handlungen an ihm zu vollziehen. Ein Gericht in Maastricht verurteilte ihn damals zu knapp fünf Monaten Jugendarrest und zu einer Behandlung in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung in Eindhoven. Die Medienberichte wurden von offizieller Seite bislang nicht bestätigt.

Die Bürgermeisterin von Kerkrade, Petra Dassen, hatte sich bei der Pressekonferenz äußerst betroffen gezeigt. Die Gewissheit, dass Gino tot ist, sei ein schwerer Schlag für die Familie des Jungen, aber auch ein Schlag für die Freiwilligen und Polizisten, die bei der Suche nach Gino geholfen hätten. Am Mittwochabend ist in Kerkrade ein Schweigemarsch zum Gedenken an Gino geplant.

 Auch nahe des Fundorts der Leiche von Gino in Geleen deponierten Anwohner Blumen und Kerzen.
Auch nahe des Fundorts der Leiche von Gino in Geleen deponierten Anwohner Blumen und Kerzen. Foto: Günter Jungmann

Gino war zum Zeitpunkt seines Verschwindens am Mittwoch mit einem schwarzen Roller unterwegs. Ein solcher Roller wurde am darauffolgenden Abend in der Nähe eines Schwimmbads in der fünf Kilometer von Kerkrade entfernten Gemeinde Landgraaf gefunden. Eine DNA-Analyse sollte Aufschluss darüber geben, ob es sich wirklich um den Roller des Jungen handelt. Zeugen hatten außerdem von einem Mann berichtet, der sich auf dem Spielplatz aufgehalten habe, als Gino dort Fußball spielte. Auch diesen Hinweisen gehen die Ermittler derzeit nach.