Rennen um den ESC 2020: Sexy Rotterdam oder europäisches Maastricht?

Rennen um den ESC 2020 : Sexy Rotterdam oder europäisches Maastricht?

Der nächste ESC liegt für deutsche Fans fast vor der Haustür - der Grand Prix steigt 2020 in den Niederlanden. Doch die Suche nach dem passenden Ort für das Riesen-Event gestaltet sich schwierig.

Die Niederländer suchen noch immer nach dem Austragungsort für den nächsten Eurovision Song Contest - zwei Konkurrenten sind noch im Rennen. Der weltweit größte Musikwettbewerb wird nunmehr in Rotterdam oder Maastricht stattfinden. „Maastricht und Rotterdam bieten alles, was zur Ausrichtung nötig ist“, teilte der niederländische Rundfunk NPO am Dienstagabend in Hilversum mit.

Kaum hatte der niederländische Sänger Duncan Laurence im Mai mit seiner Ballade „Arcade“ die letzten Punkte in Tel Aviv eingeheimst, da meldeten sich die ersten Bewerber. Denn das Heimatland des Gewinners - sofern es nicht Australien ist - darf das Musikspektakel ausrichten. Diesmal wird es der 65. ESC sein. Doch die Frage ist: Wo?

Die Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsort gestaltet sich schwierig. Es ist wie ein eigener Wettbewerb - nur eben ohne Musik. Als Kandidaten warfen sofort große Städte wie Amsterdam, Den Haag und Rotterdam den Hut in den Ring - aber auch kleinere Kommunen wie Leeuwarden in Friesland oder die Karnevalshochburg ’s-Hertogenbosch.

Zunächst richteten sich natürlich alle Augen, vor allem im Ausland, auf die Hauptstadt: Amsterdam wollte auch, und sah sich als ideale Kulisse für Europas bunte Party der Diversität. Doch Anfang Juli zog die Stadt kurzfristig die Bewerbung wieder zurück. Alle geeigneten Veranstaltungsorte seien bereits ausgebucht, hieß es.

Der wahre Grund ist aber eher die Menge von anderen Großereignissen 2020 in den Niederlanden. Da sind die Fußball-EM und die Sail, das größte nautische Ereignis weit und breit mit mehr als zwei Millionen Besuchern. Schon jetzt platzt Amsterdam aus allen Fugen mit mehr als 20 Millionen Touristen im Jahr. Die weltweite Reklame durch das Medienspektakel ist für die Grachtenmetropole eher ein Alptraum.

Auch andere Städte winkten ab, weil sie zur Überzeugung kamen, dass die Organisation des ESC mit erwarteten 30 000 bis 50 000 Besuchern eine Nummer zu groß für sie sei. Man braucht eine geeignete riesige Halle, Tausende Hotelzimmer, Platz für ein Mega-Pressezentrum mit rund 2000 Journalisten, Dutzende Garderoben für alle Sänger und Musiker. Und nicht ganz unwichtig ist: Das Ganze kostet auch eine Kleinigkeit. Die Veranstalter, die öffentlich-rechtlichen Sender NPO, NOS und AvroTros, erwarten eine finanzielle Beteiligung des Austragungsortes. Kenner schätzen diese auf rund 15 Millionen Euro.

In der vergangenen Woche hatten noch fünf Kandidaten ihre Bewerbungen eingereicht. Doch die Angebote von Utrecht, Arnheim und ’s-Hertogenbosch reichten nicht aus, teilten die Sender mit. Sowohl Rotterdam als auch Maastricht verfügten aber über geeignete Hallen, genügend Hotelzimmer und hätten auch eine finanzielle Beteiligung an den Kosten angeboten.

Die Entscheidung soll im August fallen. Wer wird nun das Rennen machen? Knapper Favorit ist Maastricht, das sich als „europäischste Stadt der Niederlande“ anpreist. Der Geburtsort des Euro liegt im Süden des Landes an der Grenze zu Deutschland und Belgien. Wenn Maastricht das Rennen macht, wäre das für deutsche ESC-Fans natürlich sehr praktisch - direkt hinter der Grenze.

Die Hafenstadt Rotterdam präsentiert sich derweil als hip und trendy. „Wir sind die sexyste Stadt der Niederlande“, sagte Bürgermeister Ahmed Aboutaleb. Eine Stimme hat er sowieso schon in der Tasche: Für den Sieger des ESC 2019, Duncan Laurence, wäre Rotterdam nämlich fast ein Heimspiel. Er stammt aus einem Rotterrdamer Vorort.

(dpa)
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