Petra Dassen-Housen ist die neue Bürgermeisterin von Kerkrade

Petra Dassen-Housen ganz oben in Kerkrade : Die Wahl der Bürgermeisterin und das Chaos danach

Petra Dassen-Housen ist die Neue in Kerkrade. Dass auch der Heerlener Bürgermeister im Rennen war, sorgt für Verwerfungen.

Die niederländische Grenzgemeinde Kerkrade hat erstmals eine Frau als Bürgermeisterin: Petra Dassen-Housen wird künftig an der Spitze der knapp 46.000 Einwohner zählenden Gemeinde stehen. Die in Kerkrade geborene 46-Jährige ist zurzeit noch Bürgermeisterin in der wesentlich kleineren Gemeinde Beesel zwischen Roermond und Venlo – und wurde schon länger für größere Aufgaben gehandelt. Unter anderem wurde sie mehrmals zur besten Bürgermeisterin einer kleinen Kommune gewählt.

Petra Dassen-Housen folgt auf Jos Som, der in den Ruhestand gegangen ist und seit Ende 2000 Kerkrade geführt hatte. Sie ist gelernte Politologin und hat an der RWTH Aachen promoviert, kennt sich also im Dreiländereck bestens aus. Was sicherlich auch in ihrer neuen Funktion wichtig ist, da Kerkrade mit dem benachbarten, etwa gleich großen Herzogenrath die symbolische Europastadt Eurode bildet.

Sowohl in Kerkrade als auch bei der Betroffenen ist die Freude groß: „Eine tolle Chance in meiner Geburtsstadt“, so kommentierte die CDA-Politikerin, momentan in Urlaub, über ihre Benennung gegenüber der Tageszeitung „De Limburger“. Die Niederlande sind das einzige Land in Europa, in dem die Bevölkerung nicht den eigenen Bürgermeister wählen darf: Er wird vom Staatsoberhaupt ernannt. Der Gemeinderat trifft eine Vorauswahl und unterbreitet diese dem Innenminister. Und dabei ist in diesem Fall etwas passiert, das viel Wirbel ausgelöst hat. Beworben hatte sich nämlich auch der Bürgermeister der wesentlich größeren Nachbarkommune Heerlen, Ralf Krewinkel. Der 44-Jährige hatte sich vor einem Jahr beurlauben lassen, weil sein Sohn schwer erkrankt war, er wird derzeit durch Emile Roemer, den ehemaligen Leiter der Sozialistischen Partei der Niederlande, vertreten.

Natürlich ist die Benennungsprozedur geheim. Dennoch hörte ein Journalist der Tageszeitung „De Limburger“ während der entscheidenden Sitzung in Kerkrade den Namen des Heerlener Bürgermeisters außerhalb des Sitzungssaals – auf Platz 2 hinter Petra Dassen-Housen. Die Lautsprecheranlage sei nämlich gegen die Regeln eingeschaltet gewesen, sagte der Berichterstatter später und veröffentlichte die brisanten Informationen. Der Heerlener Gemeinderat fühlte sich daraufhin brüskiert und sprach Krewinkel das Misstrauen aus, der noch am gleichen Tag sein Amt niederlegte.

Nun ist das Chaos groß. Die Stadt Heerlen wirft dem Gouverneur Theo Bovens vor, dass er Krewinkel nicht an einer Kandidatur gehindert hat, die Rede ist von einem „Königsdrama“. Die Stadt Kerkrade hat Anzeige gegen „De Limburger“ erstattet, weil es klar gewesen sei, dass es sich um eine nichtöffentliche Sitzung handelte und der Zeitungsmitarbeiter nicht zufällig an die Information gekommen sei, sondern eine sehr zielgerichtete Abhöraktion gestartet habe – was man mit Bildern von Überwachungskameras unterfüttern will. Die Chefredaktion wiederum weist die Vorwürfe zurück und betont, dass man sorgfältig gehandelt und es sich um eine wichtige Information von öffentlichem Interesse gehandelt habe. Auch der Gouverneur weist die Vorwürfe zurück: Es habe keinen gesetzlichen Grund gegeben, den (sozialdemokratischen) PvdA-Mann Krewinkel an der Kandidatur in seiner Geburtsstadt Kerkrade, in der er schon mal Beigeordneter war, zu hindern.

Wie geht es nun weiter? Petra Dassen-Housen wird ihr neues Amt am 1. Juni antreten, Ralf Krewinkel, der eigentlich zum 1. April wieder sein Bürgermeisteramt in Heerlen aufnehmen sollte, ist auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Emile Roemer aber hat sich bereiterklärt, weiterhin die Aufgabe als Interims-Bürgermeister in Heerlen wahrzunehmen.

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