Bande hatte eigene Flugzeugflotte: Mann aus Landgraaf in Brasilien als Drogenboss verhaftet

Bande hatte eigene Flugzeugflotte : Mann aus Landgraaf in Brasilien als Drogenboss verhaftet

Eine Luxusvilla, ein riesiger Fuhrpark und Privatjets gehörten zum Leben von Dennis V. in Brasilien. Damit war es vorbei, als jetzt Polizeikräfte das Anwesen des Mannes aus dem deutsch-niederländischen Grenzland stürmten. Er soll Kopf einer internationalen Drogenbande sein.

Nach Informationen des niederländischen Nachrichtenportals 1limburg.nl kommt Dennis V. aus dem kleinen Grenzort Landgraaf. In Südamerika stieg er nach Angaben des Sonderermittlers Thiago Martimiano zum Chef der kriminellen Gruppe auf.

Der Bericht der brasilianischen Polizei über die Verhaftung offenbart ein Luxusleben, wie es oft mit berüchtigen Drogenbossen vom Schlage des Kolombianers Pablo Escobar in Verbindung gebracht wird. Es steht in scharfem Widerspruch zur Erklärung seiner Anwälte, ihr Mandant leite lediglich ein Telekommunikationsunternehmen. Die Bande, zu der Dennis V. und weitere sechs Verhaftete gehören sollen, heuerte dem Polizeibericht nach eigene Piloten an, die mit speziell umgebauten Flugzeugen im Tiefflug nach Bolivien, Kolumbien und Peru geschickt wurden, um Kokain nach Brasilien zu transportieren.

Dort wurden die Drogen dann zwischengelagert und zum Export nach Europa – insbesondere nach Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden – vorbereitet. Versteckt in Granit, Marmor und Lebensmitteln wurden sie verschifft. Bis zu 25 Millionen Euro soll die verbotene Fracht wert gewesen sein – pro Monat. Ein anderer Teil der Bande war darauf spezialisiert, das eingenommene Geld zu waschen und von dem Drogenhandel abzulenken.

So konnte die Bande um den 40-jährigen Dennis V. ein luxuriöses Leben mit Villen, Sportreisen nach Dubai und schnellen Autos führen – bis im Dezember 2018 ein Pilot bei einem Flug in Bolivien verschwand. Die Polizei nahm Ermittlungen auf und deckte die kriminellen Hintergründe auf. Daraufhin wurde die Sonderkommission „Icarus” gegründet, die sechs Monate lang ermittelte.

In der vergangenen Woche erfolgte schließlich der Zugriff. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte stürmten mehrere Orte, an denen Aktivitäten der Mitglieder festgestellt worden waren, darunter die Villa von Dennis V. in São Paulo. Bevor er fliehen konnte, klickten bereits die Handschellen. Der Niederländer sei der Kopf der Bande gewesen, sind die Fahnder sicher: „Dennis gab die Befehle, machte die Pläne und die anderen behandelten ihn wie den Chef”, betonte Ermittlungsleiter Thiago Martimiano gegenüber dem „Allgemeen Dagblad”.

Wie 1limburg berichtet, steht auch V.s Ehefrau Almerinda unter Verdacht. Sie wurde jedoch vorerst freigelassen, um sich um die beiden Kinder des Paares kümmern zu können, das nach Informationen des Nachrichtenportals schon seit Jahren in Brasilien lebt.

Elf Fahrzeuge, zwei Jets, ein Hubschrauber, große Mengen Bargeld und Edeluhren wurden beschlagnahmt, die der Bande gehören sollen, der nun Kokainhandel und der Geldwäsche vorgeworfen werden.

Ein Anwalt von Dennis V. betonte jedoch, sein Mandat sei unschuldig: „Dennis ist ein Familienvater, ein harter Arbeiter und hat hier eine Telekommunikationsfirma.” Er habe lediglich einen der Verdächtigen gut gekannt.

Das „Allgemeen Dagblad” veröffentlichte auf seiner Seite Videomaterial der Verhaftung.