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Kritik an Kamerateam: Limburger Mordprozess ins Stocken geraten

Kritik an Kamerateam : Limburger Mordprozess ins Stocken geraten

Nach einem Zwischenfall mit einem Kamerateam muss das Landgericht Limburg im Prozess gegen einen Mann, der Frauen zum Suizid gedrängt haben soll, erneut über die Aussetzung des Verfahrens entscheiden.

Einen entsprechenden Antrag stellte die Verteidigung am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag. Wegen des Vorfalls sei das Verfahren für den Angeklagten „vergiftet“ und ein Neustart nötig, sagte einer der beiden Verteidiger.

Der Vorsitzende Richter hatte zuvor gesagt, der Angeklagte sei durch das Kamerateam am ersten Prozesstag bedrängt worden. Der 61-Jährige sei in einem eigentlich abgetrennten Bereich gefilmt worden, als er zu dem provisorischen Gerichtsgebäude in einem Zeltbau gebracht wurde. Das hätte verhindert werden müssen, räumte der Richter ein und entschuldigte sich dafür. Die Aufnahmen des Angeklagten seien später unverpixelt gesendet worden.

Der Sender RTL teilte auf Anfrage mit, dass für den Reporter nicht erkennbar gewesen sei, dass auf dem Gelände am Gerichtszelt nicht gedreht werden dürfe, es habe auch keine Absperrungen oder Hinweise von Justizbeamten oder des Sicherheitsdienstes gegeben. Die Fragen an den Angeklagten seien mit dem nötigen Corona-Sicherheitsabstand gestellt worden. Eine Demütigung könne man nicht erkennen.

Dass der Mann später unverpixelt gezeigt wurde, begründet RTL unter anderem mit der Schwere der Vorwürfe und der Tatsache, dass der Mann bereits einschlägig verurteilt worden sei und mit „außergewöhnlicher Kriminalität“ gehandelt habe. Insofern überwiege das öffentliche Informationsinteresse das Persönlichkeitsrecht. Der Widerruf aller Foto- und Drehgenehmigungen durch das Gericht sei aus Sicht des Senders „rechtswidrig und nicht verfassungskonform“.

Der Prozess soll nun am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden. Das Gericht tendiert laut dem Vorsitzenden dazu, das Verfahren nicht zu beenden. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

Der Angeklagte steht wegen Mordes, versuchten Mordes und Verabredung zum Mord vor Gericht. Der Deutsche soll psychisch labile Frauen zum Suizid gedrängt oder dies versucht haben. Motiv war der Anklage zufolge die Befriedigung seiner „sexuell motivierten Tötungsfantasien“.

Einen ersten Aussetzungsantrag der Verteidigung, der sich um ein kurzfristig in Auftrag gegebenes Gutachten drehte, wies die Kammer des Landgerichts zurück.

(dpa)