Jean-Michel Basquiat im Museum Schunck in Heerlen

Künstler mit großem Ego und großen Ambitionen: Königin Maxima eröffnet Basquiat-Ausstellung in Heerlen

Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler der vergangenen 40 Jahre: Jean-Michel Basquiat machte sich Anfang der 80er Jahre daran, die New Yorker Kunstszene aufzumischen. Das Museum Schunck im Glaspalas Heerlen zeigt, wie Basaquiat zum Superstar aufsteigen konnte.

Wäre diese Ausstellung im Kölner Museum Ludwig oder in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen, würde man sie klein nennen. Für ein Haus wie das Museum im Kulturzentrum Schunck in Heerlen ist sie eine große Sache. Auch deshalb kam Königin Maxima am Donnerstag nach Limburg, um „Basquiat – The Artist and his New York Scene“ vor geladenen Gästen zu eröffnen. Alle anderen haben ab Samstag die Gelegenheit, einzutauchen in Leben und Arbeit eines Mannes, der sich Anfang der 80er Jahre aufmachte, die New Yorker Kunstwelt kräftig aufzumischen, bevor er am 12. August 1988 – im Alter von gerade mal 27 Jahren – an einem Cocktail aus Opiaten und Kokain starb.

Es gab damals keinen anderen Ort, an dem diese Geschichte hätte spielen können. New York Anfang der 80er, das war New Wave und Hip-Hop, Graffiti und Andy Warhol, Drogen- und Partyexzess. Mittendrin: Jean-Michel Basquiat, Sohn einer aus Puerto Rico stammenden Mutter und eines auf Haiti geborenen Vaters. Ein rastloser, charismatischer junger Mann mit großem Ego und ebensolchen Ambitionen. Basquiat sog alle Eindrücke auf wie ein Schwamm und verarbeitete sie, ungefiltert und oft roh.

Seine Kunst, die als Neo-Expressionismus bezeichnet wird, sich aber letztlich allen Kategorisierungen entzieht, speist sich aus den Sehnsüchten und Traumata, die sein Leben prägten, und aus den Verwerfungen der amerikanischen Gesellschaft. Er, der selbstbewusste schwarze Künstler, kritisierte die Kunstszene, die Anfang der 80er immer noch von Weißen bestimmt war, und wollte doch unbedingt dazugehören, Erfolg haben. Den hatte er ziemlich schnell; mit 21, 22 Jahren galt er als Superstar. Heute zählt Basquiat zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern unserer Zeit. Im Mai 2017 erzielte sein Bild „Untitled 1982“ bei einer Auktion in New York 110,5 Millionen Dollar.

Ein selbstbewusster junger Mann: Jean-Michel Basquiat in seinem New Yorker Appartement, fotografiert von seiner Freundin Alexis Adler. Foto: Alexis Adler

Die Schau im Schunck hilft dabei zu verstehen, wie das alles begann. Sie bezieht sich vor allem auf zwei prägende Jahre und bringt dafür die Ausstellung „Basquiat before Basquiat: East 12th Street, 1979-1980“ des Museums of Contemporary Art Denver nach Europa.

Das Appartement als Leinwand

Basquiat, am 22. Dezember 1960 in Brooklyn geboren, war mit 17 von zu Hause weggelaufen und lebte zeitweise auf der Straße, bis er 1979 mit seiner damaligen Freundin Alexis Adler ein 37 Quadratmeter großes Appartement im East Village in Manhattan bezog. Zu dieser Zeit besprühte er mit seinem Jugendfreund Al Diaz die Mauern der Lower East Side mit Graffitis und rätselhaften Texten, was für einiges Aufsehen sorgte. Sie nannten sich SAMO, eine Abkürzung für „same old shit“, und fügten dem das Copyright-Zeichen hinzu – ein ironisches, die Szene provozierendes Spiel mit Marke und Kommerz. Ein Jahr rätselte man, wer sich hinter SAMO© verbarg. Im Schunck sind diese Arbeiten, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind, auf Fotografien von Martha Cooper und Henry Flynt zu sehen.

Basquiat machte das kleine Appartement zu seiner Leinwand und Bühne. Im Schunck sind Zeichnungen, Skulpturen, Notizbucheinträge und Malereien versammelt, die dort entstanden, vor allem aber Fotografien von Alexis Adler, die auch die Performance-Versuche von Basquiat dokumentieren.

Seinen Durchbruch erlebte der Künstler dann 1980 in einer Ausstellung, die bis heute Kultcharakter genießt: die „Times Square Show“, organisiert von einem Kollektiv unter dem Namen Colab in den vier Stockwerken eines ehemaligen Massagesalons. Sie markierte den Beginn einer genresprengenden, urbanen Kunst. Mehr als 100 Künstler, darunter Keith Haring, Jenny Holzer und Jane Dickson, nahmen teil. Es muss eine wilde Angelegenheit gewesen sein mit Musik, Filmen, Performance, Mode, Graffiti, Malerei und Dichtung. Für Jean-Michel Basquiat war sie die Eintrittskarte zur New Yorker Kunstszene, die ihn schon bald als neuen Star feierte.

In Heerlen sind 50 Originalarbeiten aus der „Times Square Show“ zu sehen. Vervollständigt wird der übersichtliche, aber feine Rundgang mit Filmdokumenten, einer Abteilung, die sich mit der Rezeption des Künstlers und seines Milieus in den Niederlanden befasst, und frühen, großflächigen Gemälden, auf die Basquiat sich in der Folge mehr und mehr konzentrierte und die ihn endgültig berühmt machten. Es ist unmöglich, sich diesem Mix aus Pop- und Hochkultur zu entziehen. „Ishtar“ (1983) ist ein herausragendes Beispiel. Die Leihgabe des Aachener Ludwig Forum ist in Heerlen dabei. Das für 110,5 Millionen Dollar verkaufte „Untitled 1982“ aus verständlichen Gründen nicht.

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