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Klagen und Demonstrationen: Niederländisches Grenzgebiet streitet über Motorradlärm

Klagen und Demonstrationen : Niederländisches Grenzgebiet streitet über Motorradlärm

Sommerzeit ist Motorradzeit. Doch nicht jeder ist darüber erfreut. Anwohner klagen über den Lärm – nicht nur in der Eifel, auch in den Niederlanden.

Im süd-limburgischen Hügelland wird hart darum gestritten, wie mit motorisierten Zweirad-Ausflüglern umzugehen ist. Der einseitige Beschluss der Gemeinde Vaals, einige bei Bikern besonders beliebte Straßenabschnitte zu sperren, hat die Nachbargemeinde Gulpen-Wittem auf die Palme gebracht. Sie will nun die Sperrung von Straßen im Außenbereich von Vaals per Gericht beenden lassen. Dagegen gehen einer Initiative von Anwohnern, die nach eigenen Angaben 50.000 Menschen vertritt, die Maßnahmen der Gemeinde Vaals nicht weit genug, während eine landesweite Aktionsgruppe von Motorradfahrern dazu aufruft, am Sonntag, 21. August, in Scharen nach Vaals zu kommen, um zu protestieren.

Um gegen die Lärmbelästigung durch Motorräder im Heuvelland vorzugehen, hatte der Rat der Gemeinde Vaals Anfang Juli beschlossen, die Epenerbaan, einen Teil der ehemaligen Mergellandroute, sowie die Weiler Melleschet/Rott und Wolfhaag/Raren ab Anfang August an den Wochenenden für Motorräder zu sperren. Zum Missfallen der Nachbargemeinden, die dadurch zusätzliche Belästigungen erwarten. Sie befürchten, dass die Motorradfahrer dadurch massenhaft in die Orte Epen und Mechelen ausweichen werden.

Die Gemeinde Gulpen-Wittem hatte zunächst einen Brief an die Kollegen in Vaals gerichtet und auf die möglichen Folgen dieser Verkehrsentscheidung hingewiesen. Da diese sich aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen ließ und die Verordnung am Montag formell in Kraft tritt, hat Gulpen-Wittem nun den nächsten Schritt unternommen und bei Gericht eine einstweilige Verfügung beantragt, um die Sperrung der Straßen in Vaals zumindest vorläufig zu verhindern.

Bürgermeisterin Nicole Ramaekers von Gulpen-Wittem betont allerdings gegenüber der Tageszeitung „De Limburger“, dass man nicht von gestörten Beziehungen sprechen könne: „In diesem Punkt haben wir eine Meinungsverschiedenheit, aber in anderen Bereichen arbeiten wir immer noch gut zusammen.“ Der Gemeinderat in Vaals tritt erst im September zusammen, dort ist man der Meinung, dass die Gemeinde Gulpen-Wittem ihrerseits Maßnahmen ergreifen sollte.

Die „Motorrijders Actie Groep“ MAG ist hingegen strikt gegen Sperrungen und erwartet, dass mindestens 500, vielleicht aber auch 1500 oder mehr Motorradfahrer ihrem Aufruf folgen, am Sonntag, 21. August, in Vaals gegen die Straßensperrung zu protestieren. Nach Ansicht von Sprecher Hugo Pinksterboer hätten vier Pilotprojekte im vergangenen Jahr gezeigt, dass eine einfache Sperrung von Straßen für Motorradfahrer nicht funktioniert. „Wir fühlen uns durch diese Maßnahme, die ohne jegliche Konsultation eingeführt wurde, ernsthaft benachteiligt. Radfahrer verursachen ebenso viele Beschwerden. Die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer fährt einfach leise. Die Polizei sollte sich um die fünf Prozent kümmern, die Lärm machen“, zitieren ihn niederländische Medien.

Die drei Gemeinden Vaals, Gulpen-Wittem und Eijsden-Margraten hatten schon vor Jahren eine Arbeitsgruppe („Team Heuvelland“) eingesetzt, um eine Lösung für die zunehmende Verkehrsbelastung im Hügelland zu finden. Diese will unter anderem eine Kampagne starten, um die Touristen auf die Auswüchse aufmerksam zu machen. Damit war wiederum die Bewohnerplattform („Lijn 50“) nicht einverstanden. Dieser Ansatz sei viel zu weich, halbherzig und kaum wirksam, lautete die Kritik. In einem Schreiben an die drei Gemeinderäte fordert sie stattdessen strukturelle physische Maßnahmen: „Studien zeigen, dass dieser weiche Ansatz kaum wirksam ist“, heißt es in dem Brief. Dem selbst ernannten „Bergdorf“ Vijlen, einem Ortsteil von Vaals, gehen die jetzigen Abwehrmaßnahmen schon zu weit, man hat sich deshalb ebenfalls an die Öffentlichkeit gewendet – der Meinungsstreit im Nachbarland ist in vollem Gange.