Sprengung von Geldautomaten: Niederländische Behörde übernimmt Ermittlungen

Sprengung von Geldautomaten : Niederländische Behörde übernimmt Ermittlungen

Die Tat ereignete sich in Deutschland, die Festnahmen in den Niederlanden. Am 12. Juli war ein Geldautomat in Aachen-Richterich gesprengt worden, der dritte in der Region in einer Woche. Nun übernehmen die Niederländer den Fall.

Der nächtliche Raubzug endete noch glimpflich. Über dem Automaten befinden sich in dem Gebäude Wohnräume für Flüchtlinge, die mit dem Schrecken davon kamen.

Zwei Männer wurden bei ihrer Flucht gefilmt, sie flohen in einem dunklen Audi über die Grenze. Dank guter Kooperation zwischen den Behörden wurden gegen fünf Uhr dann in einem Schuppen im Brunssumer Gewerbegebiet Haefland fünf verdächtige Männer im Alter zwischen 24 und 37 Jahren aus Amsterdam, Utrecht, Diemen und Amersfoort festgenommen. Polizeihubschrauber hatten sie verfolgt.

Das Quintett sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die niederländische Staatsanwaltschaft hat nun beschlossen, das Verfahren gegen die Landsleute an sich zu ziehen, berichtete ein Behördensprecher. Ein Prozess würde dementsprechend auch im Nachbarland und nicht am Aachener Landgericht stattfinden. In Brunssum wurden damals Beweisstücke wie das Fluchtfahrzeug oder auch Geldscheine sichergestellt, hatten Medien berichtet.

Hinter den meisten solcher Taten steckt nach Polizeierkenntnissen ein Netzwerk von rund 250 niederländischen Staatsbürgern mit marokkanischen Wurzeln. Wegen ihres Fluchtfahrzeugs werden die Täter „Audi-Gruppe“ genannt. Sie stammen, so sagt das Landeskriminalamt in Düsseldorf, häufig aus der Region Utrecht und Amsterdam.

Die Geldmenge in den einzelnen Automaten ist gedeckelt, über die Höhe macht die Branche keine Angaben, auch um Nachahmer abzuschrecken. Experten gehen von einem Beitrag zwischen 50.000 und 100.000 Euro aus. Der gesprengte Automat in Richterich war damals erst kurzfristig in Betrieb, vermutlich hatte es schon Wochen vorher einen vergeblichen Sprengversuch gegeben. In Betrieb genommen wurde er seitdem nicht mehr.

Für die Polizei in der Region war es in dieser Juli-Woche bereits der dritte Tatort, an dem Geldautomaten gewaltsam aufgebrochen wurden. Zuvor gab es Sprengungen an einer Postbank-Filiale am Pontdriesch in der Aachener Innenstadt und in Landgraaf. Obwohl der „modus operandi“ vergleichbar war, gibt es bislang keine Hinweise, dass die Inhaftierten auch für diese Fälle in Frage kommen.

Auch nach ihrer Festnahme hatte es weitere Sprengungen in der Region gegeben, erst in der vergangenen Woche in Erkelenz. Landesweit wurden in diesem Jahr bereits über 60 Fälle registriert.

(pa)
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