Aachen: Neuer Prozess gegen verurteilte Mörderin

Aachen : Neuer Prozess gegen verurteilte Mörderin

Der Prozess gegen die wegen Mordes an ihrem Ehemann zu lebenslanger Haft verurteilte Narkoseärztin Lydia H. (37) aus Aachen muss neu aufgerollt werden. Wie ihr Kölner Strafverteidiger Ulrich Sommer am Montag mitteilte, hat der Bundesgerichtshof (BGH) dem Revisionsantrag der Ärztin stattgegeben.

In einem langen Indizienprozess, der erst nach zahlreichen Verhandlungstagen durch ein spätes Geständnis der im Aachener Klinikum ausgebildeten Lydia H. zu einem Ende kommen konnte, wurde die früher drogensüchtige und zum Tatzeitpunkt medikamentenabhängige Ärztin wegen Mordes zur lebenslanger Haft verurteilt.

Die Angeklagte hatte in einem heftigen Streit mit ihrem rund 50 Jahre älteren Ehemann eine Spritze genommen und in seinen Unterschenkel gerammt. Sie spritzte dem zwar kranken, aber nicht bettlägerigen Mann im November 2011 eine tödliche Dosis Morphium, 20-fach mehr, als er hätte überleben können. Der 2. Senat des BGH sah in einem am Montag veröffentlichten Beschluss die beim Urteil der 1. Aachener Schwurgerichtskammer zugrunde gelegten Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als nicht gegeben an. „Die Bewertung der Tat als Mord ist rechtsfehlerhaft“, heißt es wörtlich.

Die Ärztin hatte angeben, ihr Mann habe gedroht, sie „zurück in die Gosse schicken“ zu wollen, da sei sie durchgedreht. Der BGH sieht eine Verurteilung wegen eines Falles von „minder schwerem Totschlag“ als „naheliegend“ an.

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