Aachen: Neue Therapie: Uniklinik transplantiert fremde Stammzellen

Aachen: Neue Therapie: Uniklinik transplantiert fremde Stammzellen

Das Aachener Uniklinikum steigt in die Riege der Krankenhäuser auf, die fremde Stammzellen transplantieren können. Eine neue, mit außergewöhnlichen Ausstattungsmerkmalen versehene Station macht das möglich. 4,2 Millionen Euro kostete der Umbau der Station. 15 Patienten — vom Kind bis zum Senior — können dort gleichzeitig behandelt werden.

Sechs Ärzte und zwölf Pfleger kümmern sich im Schichtsystem um sie. Die halbe Stelle eines Physiotherapeuten und eines Psychoonkologen kommt hinzu. „Es handelt sich um eine sehr, sehr anspruchsvolle, aber auch sehr, sehr erfolgreiche Therapie“, sagte Professor Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie, bei der Eröffnung der interdisziplinären Station. Aachen ist die siebte Klinik in NRW, die diese Therapie anbietet.

Wichtig ist, dass die Patienten in absolut reiner Luft — ohne Keime und ohne Pilze — leben, denn ihr Immunsystem arbeitet nicht: Die eigenen Stammzellen sind durch eine Chemotherapie vernichtet, und die fremden Stammzellen haben das neue Immunsystem noch nicht aufgebaut. Eine gefährliche Situation für den Patienten. Deshalb muss die Luft gereinigt werden. In Aachen geschieht das auf der gesamten Station mit einem Klimaanlagen-System.

So können die Patienten — nach der strengsten Isolationsphase direkt nach der Stammzellübertragung — wenigstens ihr Zimmer verlassen und sich in der Station und einem Gemeinschaftsraum frei bewegen. Betreten werden darf die Station nur durch eine Schleuse. Auch Besucher müssen Schutzkleidung tragen und Desinfektionsregeln einhalten. Selbst das Material für die Station muss durch eine Desinfektionsschleuse.

Die Zimmer für die Kinder sind ganz besonders ausgestattet, um den kleinen Patienten die Zeit der Isolation zu erleichtern: Ein Trimmrad gibt es in allen Räumen. Eine Spielekonsole haben nur sie — genau wie den Lautsprecher, der die Töne von draußen überträgt, die ein Mikrofon draußen am Haus aufnimmt.

Damit bietet das Uniklinikum Aachen nun die Maximalversorgung für Patienten mit bösartigen Erkrankungen des Blutes oder Knochenmarks an. Der erste Patient wird am 15. Dezember in der Station erwartet. Die erste Transplantation soll im Januar durchgeführt werden.

Der Bedarf ist offenbar da: Seit Jahren steigen die Zahlen der Transplantationen exponentiell an. Nach Angaben des Deutschen Registers für Stammzelltransplantationen erhielten vor zehn Jahren knapp 1900 Menschen bundesweit fremde Stammzellen. Im vorigen Jahr waren es fast 3150. Etwa 80 Prozent davon litten an akuter Leukämie. Für sie ist die Stammzellspende zur — rettenden — Standardtherapie geworden, wenn denn ein passender Spender gefunden wird.

Der medizinische Fortschritt in diesem Bereich sei enorm, sagte Privatdozent Edgar Jost, der die Station zusammen mit Professor Udo Kontny von der pädiatrischen Hämatologie leitet. In den Anfängen dieser Therapie in Deutschland in den 90er Jahren seien maximal 50-Jährige behandelt worden, „heute ist ein Patient, der 70 Jahre und älter ist, kein außergewöhnliches Event mehr“, sagte Jost. Bei der Auswahl des passenden Stammzellspenders verlassen die Aachener sich auf die älteste und erfahrenste NRW-Klinik in diesem Bereich in Essen. „Die haben einen Haufen Erfahrung — und das braucht man in diesem Bereich“, sagte Jost.