Düsseldorf/Schleiden: Nationalpark: Minister kündigt Ende der Kahlschläge an

Düsseldorf/Schleiden: Nationalpark: Minister kündigt Ende der Kahlschläge an

Nach großer öffentlicher Empörung über gewaltige Kahlschläge hat der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) im Interview mit unserer Zeitung erstmals einen Kurswechsel im Nationalpark Eifel angekündigt.

„Im Nationalpark muss sich dringend etwas tun“, sagte Remmel, „das Waldmanagement wird sich verändern.“ Die Nationalparkverwaltung hatte besonders vergangenes Jahr ganze Waldstücke auf Flächen von bis zu acht Hektar Größe roden lassen. Da dies das Landesforstgesetz nicht erlaubt, schon gar nicht in Naturschutzgebieten, war dafür eine Sondergenehmigung übergeordneter Behörden erforderlich.

Klausner will Schadenersatz

Der Hintergrund der Kahlschläge ist der Umbau des Nationalparks in einen reinen Buchenwald. Die Nationalparkverwaltung entfernt seit zehn Jahren systematisch alle anderen Baumarten aus dem 10.700 Hektar großen Schutzgebiet in der Nordeifel. Viele Umweltschützer und Experten zweifeln am Sinn der radikalen Eingriffe.

Umweltminister Remmel erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, Eingriffe wie die großen Kahlschläge seien in streng geschützten Naturschutzgebieten wie Nationalparks „schwer vermittelbar“ und zeigte Verständnis für die Empörung von Bürgern, Naturschützern und besonders Anwohnern. Er stellte in Aussicht, die Menschen in der Eifel an der Erstellung eines neuen Waldkonzeptes für den Nationalpark zu beteiligen.

Mehrere vom Land Nordrhein-Westfalen 2007 geschlossene Holzlieferverträge legten zudem die Vermutung nahe, die gewaltigen Kahlschläge im Nationalpark könnten im Zusammenhang mit Holzlieferschwierigkeiten des Landes stehen. Minister Remmel wies dies eindeutig zurück.

Am Landgericht Münster begann am Donnerstag ein weiterer Prozess, den einer der Vertragspartner gegen das Land führt. Die Tiroler Klausner-Gruppe, einer der größten holzverarbeitenden Konzerne Europas, fordert Schadenersatz vom Land in Höhe von bis zu 120 Millionen Euro für nicht geliefertes Holz.

Das Gericht erwägt, den Fall an den Europäischen Gerichtshof weiterzuverweisen. Dabei soll geklärt werden, ob der Liefervertrag gegen Beihilferecht verstößt. Wie es konkret weitergeht, will das Gericht am 18. September verkünden.

Mehr von Aachener Nachrichten