Schleiden: Nationalpark Eifel unter deutschen Top-Reisezielen

Schleiden : Nationalpark Eifel unter deutschen Top-Reisezielen

Der Nationalpark Eifel mit dem Besucherzentrum auf Vogelsang mausert sich zu einem der Top-Tourismus-Ziele in Deutschland. Bei einer Umfrage der deutschen Zentrale für Tourismus unter 40.000 Deutschland-Touristen zu den schönsten Naturerlebnissen in Deutschland kam der Nationalpark im vorigen Jahr auf Platz 31 — vor der Zugspitze (38), dem Allgäu (74), dem Chiemsee (85) oder der Insel Sylt (100).

„Das schmeichelt uns schon sehr“, sagte Nationalpark-Sprecher Michael Lammertz am Dienstag bei der Vorstellung des Leistungsberichts für 2017.

Nationalpark-Verwaltungschef Michael Röös strahlte mit seinem Team um die Wette. Egal welche Parameter man sich anschaut — der Trend zeigt nur nach oben: 13 Jahre nach der Gründung des Nationalparks ist im vorigen Jahr die Rekordzahl von 835.000 Besucher von den permanenten Zählanlagen an den Eingängen zum Nationalpark erfasst worden. Die Schulklassenprogramme für die Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“, die 2017 — im ersten Ausstellungsjahr — getestet wurden, kamen so gut an, „dass wir einen kleinen Boom ausgelöst haben“, sagte Kerstin Oertes, Leiterin des Nationalparkzentrums auf Vogelsang. Zusammen mit den übrigen Besuchern kamen in den ersten fünf Monaten 36 Prozent mehr Gäste in die Ausstellung als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Und nicht nur die menschliche Spezies zieht es in den Nationalpark: Über 10.000 Tier- und Pflanzenarten sind inzwischen erfasst worden — über vier Mal so viele wie im Gründungsjahr 2004. Mit 2300 ist gut jede vierte Art vom Aussterben bedroht, sagte Biogeograph Sönke Twietmeyer.

50 Prozent der erfassten Arten sind Insekten. Sie seien eine wichtige Nahrungsquelle etwa für Fledermäuse, die ein guter Indikator für die Qualität eines Waldes seien und die im vorigen Jahr intensiv untersucht wurden. Dabei ging den Forschern ein alter Bekannter ins Netz: Mausohrmännchen X78766, das 2004 beringt worden war. „Es ist schon über 15 Jahre alt!“, sagte Twietmeyer strahlend.

Von den rund 10.000 Hektar des Nationalparks Eifel werden nach Angaben des Nationalparkchefs nun aus rund 4000 Hektar im Hetzinger Wald und dem westlichen Kermeter keine Nadelbäume mehr entnommen, die zugunsten der heimischen Buche zurückgedrängt werden sollen. Dort seien nun über 90 Prozent der Fläche von Laubwald bedeckt. „Damit sind die Renaturierungsmaßnahmen dort abgeschlossen“, sagt Röös. Der Wald werde — bis auf Verkehrssicherungsmaßnahmen — sich selbst überlassen. Im Kermeter müssten nun noch 60 bis 80 Kilometer Wege, die nicht mehr benötigt würden, zurückgebaut werden. Das sei eine Aufgabe für die nächsten fünf Jahre.

Interesse am historischen Ort

Auch der historische Ort Vogelsang zieht immer mehr Besucher an. 270.000 kamen nach Angaben von Vogelsang-IP-Geschäftsführer Albert Moritz 2017 ins Besucherzen­trum. Nur jeder Vierte stammte aus der näheren Umgebung, ein gutes Drittel hatte eine zweistündige Anreise hinter sich, der Rest kam aus deutschen Fernzielen oder der EU. „Vogelsang hat eine hohe überregionale Attraktivität“, sagt Moritz. Die Hälfte derer, die nicht aus der Region kamen, gab demnach an, nur wegen Vogelsang, der früheren NS-Ordensburg, die zu einem internationalen Platz umgebaut worden ist, angereist zu sein. Die Niederländer stellen mit 17 Prozent die größte Gruppe der Ausländer. Aber zunehmend kämen Anfragen von US-amerikanischen Reiseveranstaltern, die wegen der traumatischen Kriegserlebnisse im Hürtgenwald ein ganz besonderes Interesse an dieser Region und der NS-Zeit haben.

Für 2020 bereiten Moritz und sein Team etwas Besonderes vor: 75 Jahre nach dem Kriegsende soll der historische Ort als Impuls für einen Jugendgipfel dienen, „um zeitgeschichtliche Erfahrung in die Jetztzeit zu transformieren.“