Nadelöhr am Aachener Hauptbahnhof soll verschwinden

Grünes Licht für drittes Gleis : Burtscheider Viadukt wird ausgebaut, aber frühestens ab 2025

Bahnprojekte benötigen vor allem eines: Zeit. Deshalb bedeutet der aktuelle Beschluss, den Ausbau des Burtscheider Viadukts am Aachener Hauptbahnhof voranzutreiben, auch nicht, dass sofort etwas passiert. Frühestens im Jahr 2025 dürfte Baubeginn sein.

Es ist eine durchaus historische Weichenstellung: Erstmals in seiner 178-jährigen Geschichte soll der Burtscheider Viadukt in der Nähe des Hauptbahnhofs in der Aachener Innenstadt einen Brückennachbarn erhalten, mit dem die Kapazität in diesem Nadelöhr auf der Bahnstrecke Aachen-Köln von zwei auf drei Gleise gesteigert werden kann. Ein schlanker, gerade einmal zehn Meter breiter Brückenneubau würde dann das knapp 251 Meter lange, denkmalgeschützte Gemäuer flankieren und den Platz für die dritte Spur schaffen. Das würde nach heutiger Schätzung rund 50 Millionen Euro kosten. In der Zweckverbandsversammlung der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR) hat die Politik jetzt einstimmig dafür votiert, einen solchen Ausbau des Viadukts voranzutreiben.

Allerdings heißt das noch lange nicht, dass an dem Bauwerk, dass zu den ältesten noch genutzten Eisenbahnbrücken Deutschlands gehört, in Kürze etwas passieren wird. Denn Bahnprojekte benötigen erfahrungsgemäß vor allem eines: Zeit. Und deshalb dürfte der aktuelle politische Beschluss auch nur der Startschuss für eine Verhandlungs- und Planungsphase sein, die noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Vermutlich werde man frühestens in der Mitte des nächsten Jahrzehnts so weit sein, dass man mit den Bauarbeiten beginnen könne, sagt NVR-Sprecherin Jessica Buhl auf Anfrage. Diese würden dann rund zwei Jahre in Anspruch nehmen, womit das Verkehrsnadelöhr kurz vor dem Bahnknotenpunkt Aachener Hauptbahnhof frühestens 2027 oder 2028 Geschichte wäre.

Denn zunächst einmal beauftragt der politische Beschluss die NVR-Geschäftsführung damit, mit der DB Netz AG Verhandlungen aufzunehmen. Geschlossen werden soll eine Planungsvereinbarung für die ersten beiden „Leistungsphasen“ des Projekts, was laut NVR-Sprecherin Buhl in etwa einem Jahr geleistet sein könnte. Anschließend stehen die Grundlagenermittlung – also beispielsweise Fragen zur Bausubstanz und zum Denkmalschutz – und die Vorplanung an, ehe es in einigen Jahren ins Detail gehen dürfte. „Bei solchen Projekten gibt es immer viele Unwägbarkeiten, weswegen konkrete zeitliche Prognosen schwierig sind“, sagt Buhl.

Dabei ist schon seit geraumer Zeit klar, dass eine Erweiterung des Burtscheider Viadukts um ein drittes Gleis aus verkehrlicher Sicht unverzichtbar sein dürfte. Bereits seit 2008 steht das Projekt im ÖPNV-Infrastrukturfinanzierungsplan, und zuletzt stellte das Gutachten „Ertüchtigung des Bahnknotens Aachen“ im Januar 2017 die Dringlichkeit dieser Maßnahme dar. Denn schon heute rangiert der Aachener Hauptbahnhof mit 22.000 Fahrgästen täglich auf Platz 6 der meistfrequentierten Haltepunkte im NVR-Gebiet.

Konflikte bestehen dabei vor allem zwischen dem Nah- und dem Güterverkehr. Und mit Einführung des „Deutschlandtakts 2030+“ wird erwartet, dass der Verkehr noch weiter zunimmt. Ein drittes Gleis auf dem Viadukt könnte laut NVR dann vor allem bei Verspätungen seinen Nutzen entfalten, da es viele verschiedene parallele Fahrtbeziehungen ermöglichen soll. „Um den Aachener Hauptbahnhof als wichtigen Verkehrsknotenpunkt leistungsfähig zu erhalten, ist eine Erweiterung des Burtscheider Viadukts unumgänglich“, betont denn auch NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek.

In der Stadt Aachen ist man übrigens auf eine solche Baumaßnahme schon seit längerem vorbereitet. Bauvorhaben, die zu nahe an den Viadukt heranreichen sollten, wurde in den vergangenen Jahren ein Riegel vorgeschoben – um den Platz für ein drittes Gleis freizuhalten.

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