Völlig außer Kontrolle: Nach sexuellen Übergriffen eskaliert Streit in Kita

Völlig außer Kontrolle : Nach sexuellen Übergriffen eskaliert Streit in Kita

Der Schock saß tief bei den Eltern, als sie im September erfuhren, dass es in der Kita ihrer Kinder zu sexuellen Übergriffen durch andere Kinder gekommen war. Ein Junge hatte mehrere andere Kinder mit Stöcken im Genitalbereich und am Po verletzt. Ein Mädchen soll ihn dazu angestiftet haben.

Jetzt folgte der zweite Schock: Die Kindertagesstätte will die Kinder, die damals Opfer waren, nicht mehr betreuen. „Im Montessori-Kinderhaus St. Johannes Köln wurde neun Familien (damit sind zwölf Kinder betroffen) der Betreuungsvertrag von Seiten des Trägers gekündigt“, bestätigte das Erzbistum.

Man habe sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen, „da die Eltern dem Team der Erzieherinnen und dem Träger nicht mehr vertrauten“, sagte Bistumssprecher Michael Kasiske. Die Erzieher seien teilweise so angegangen worden, dass sie sich vor den Reaktionen der Eltern gefürchtet hätten.

Gegen die Eltern wurde deshalb bis zum Auslaufen des Vertrags Ende März ein Hausverbot ausgesprochen; sie müssen ihre Kinder an der Eingangstür abgeben und dürfen die Einrichtung nicht mehr betreten.

Die Eltern fühlen sich nun doppelt bestraft. „Erst wurden unsere Kinder nicht geschützt und nun werden sie auch noch auf die Straße gesetzt. Wie sollen wir ihnen das erklären?“, fragt ein betroffener Vater. Die Eltern kritisieren die mangelnde Kommunikation der Einrichtung. Schon im April vorigen Jahres habe es erste Hinweise auf die Übergriffe gegeben, doch diese seien als Einzelfall abgetan worden, sagt ein anderer Vater.

Erst als die Kita-Leiterin den Jungen in flagranti auf der Toilette erwischte, sei die Sache ins Rollen gekommen. Man hätte sich auch gewünscht, dass eine unabhängige Fachberatung wie etwa der Verein Zartbitter sowie externe Psychologen einbezogen worden wären. Doch das habe die Kirchengemeinde abgelehnt. „Man wollte das alles intern regeln.“

Was die Eltern zusätzlich trifft: Der Junge, von dem die Übergriffe ausgingen, geht weiterhin in die Kita. Er wurde lediglich in eine andere Gruppe versetzt. Ob es dort zu weiteren Vorfällen gekommen ist, ist unklar. Mehrere Kinder hätten davon berichtet, sagen Eltern. Die Aussagen hätten sich als nicht schlüssig erwiesen, sagt dagegen das Erzbistum. Klar scheint aber: Nachdem die Vorfälle im vergangenen September bekanntwurden, hat sich die Stimmung in der Einrichtung immer mehr aufgeschaukelt.

Dass es sexuelle Übergriffe gab, wird weder vom Erzbistum noch vom Kita-Träger bestritten. Die Leitung des Kinderhauses habe zahlreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet, um eine Wiederholung zu verhindern, erklärte das Erzbistum.

Die meisten betroffenen Eltern haben inzwischen trotzdem entschieden, ihre Kinder ab sofort nicht mehr in die Kita zu schicken.

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